Naturzelle Hahnenkoppel

Wenn der "Urwald" ruft . . .

Reinbek (amü). Die Natur hält Winterschlaf. Nur das Plätschern der Hahnenbek untermalt das Rauschen der nahen Autobahn Hamburg-Berlin. Unter den Stiefeln von Claus-Peter Alpen knirscht ein frostiger Blätterteppich. Die Spur des Försters führt in den Wald nördlich der A 24 bei Büchsenschinken, im Naturschutzgebiet (NSG) Talwald Hahnenkoppel.

Sie endet vor einem Maschendrahtzaun. Dahinter liegt sie - die "Naturwaldzelle Hahnenkoppel". Der Chef der Försterei Reinbek, die zu den schleswig-holsteinischen Landesforsten gehört, schaut nach, ob der Zaun dicht ist. Denn weder Mensch noch Tier dürfen den "Urwald" in seiner Entwicklung stören.

"Sie müssten im Frühling noch einmal kommen", sagt Alpen. Dann ist der Boden übersät von Waldhyazinthen. Doch an diesem eisigen Wintertag lässt sich von duftenden Blütenmeeren nur träumen. Roterlen, Eschen, Eichen und Bergahorne ragen ihre blattlosen Äste in den Himmel. Seit 27 Jahren sind sie sich selbst überlassen. "Für Forschungszwecke", erklärt Alpen. Erste Erkenntnisse gebe es schon. So habe sich die "rabiate Dominanz" des Bergahorn gezeigt.

Alle zehn Jahre muss sich der Naturwald einer Inventur unterziehen. Im kommenden Jahr ist es vermutlich wieder soweit, schätzt Alpen. Das Gelände wurde 1982 mit 42 Naturwaldzellen in Schleswig-Holstein ausgewiesen. Die Naturwaldzelle Hahnenkoppel umfasst 17 000 Quadratmeter und ist damit eine der größten und artenreichsten im Land. "Sie ist auch eine wichtige forstliche Dauerversuchsfläche", sagt Alpen. Alle Daten werden in der Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen ausgewertet. Um eine Basis als Ausgangslage für weitere Forschungen zu schaffen, wurde die Parzelle in 400 Quadratmeter (20 mal 20 Meter) große Quadrate als Beobachtungsflächen für die Entwicklung der Botanik markiert. "Aufgenommen wurden Kräuter, Sträucher und Bäume. Neben Waldhyazinthe blühen im Frühjahr auch die Goldnessel und das große Hexenkraut. Seltene Moose bedecken den Waldboden. Weißdorn, Haselsträuche und Pfaffenhütchen liegen unter einer zarten Schneeschicht. Doch bis sie ihre Blüten entfalten, herrscht Winterruhe im "Urwald".