Gedenktafel

Gefallen, verschollen, aber nicht vergessen

Wentorf (hof). Weit über hundert Menschen waren dabei, als Claus-Jörn Rücker gestern gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Heidelberg eine bronzene Gedenktafel mit 109 Namen von gefallenen oder vermissten Soldaten aus Wentorf enthüllte. Befestigt wurde sie an der Feldsteinbrüstung des Wentorfer Ehrenmals am Burgberg.

Während der Enthüllung spielte der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde unter Leitung von Klaus Stöckel den Lutherchoral "Verleih uns Frieden gnädiglich". Die Stimmung war ergreifend und glich einer Trauerfeier.

Vorher hatte Pastor Christian Hube in einer Andacht der Söhne, Brüder und Männer gedacht, die den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten. "Der jüngste Tote war erst 17 Jahre alt, wurde 1945 bei Görlitz vermisst", sagte er und nannte auch den ältesten Soldaten auf der Gedenktafel, der mit 60 Jahren im Kampf um Berlin fiel. "Aber die meisten dieser Männer wurden nicht einmal 30 Jahre alt."

Die Initiative für die Namenstafel zum Gedenken an die gefallenen und vermissten Soldaten kam von Claus-Jörn Rücker. Der 86-jährige Wentorfer habe nicht locker gelassen, an seine gefallenen Kriegskameraden erinnern zu wollen, sagte Hube. Der Pastor, der von 1967-1969 selbst in der Gemeinde arbeitete, hatte sich um die Recherche der Namen gekümmert, die fast alle aus dem Gedenkbuch der Kirche stammen und vor mehr als 55 Jahren aufgeschrieben wurden.

Auch der Name von Hubes Schwiegervater, Hugo Lopau, steht auf der Gedenktafel. Er fiel im Alter von 40 Jahren in Ungarn. Zahlreiche weitere vertraute und bekannte Familiennamen aus der Gemeinde sind auf der Tafel verewigt, manchmal sogar zwei- oder dreimal. Familienschicksale von unglaublichem Ausmaß.

"Ich bin sehr froh, dass mein Bruder jetzt an der Tafel steht. Nun habe ich endlich einen Ort zum Trauern", sagte Gretel Prinz (77) gestern nach der Enthüllung. Ihr Bruder Hans Biekarck war im Alter von 17 Jahren aus dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Hause zurückgekehrt. Auch die meisten anderen Anwesenden hatten wenigstens einen Angehörigen zu betrauern, dessen Name nun auf der Gedenktafel steht.

Dazu gehört auch Hildegard Ballerstedt, eine Cousine von Claus-Jörn Rücker. Sie unterstützte das Ansinnen des Vetters um eine Gedenktafel - genauso wie viele andere. So kamen die Kosten von 8000 Euro ausschließlich aus Spenden der Wentorfer Bevölkerung zusammen.

"Nun habe ich endlich einen Ort zum Trauern."

Gretel Prinz (77), Schwester eines vermissten Soldaten