Eine Lehrstunde für die "Raubvögel"

Von Hanno Bode

Dassendorf.
Fall- und Seitfallzieher, Kopfbälle, Dropkicks und Hackentricks - die Ersatzspieler des SC Condor boten kurz vor Beginn des Fußball-Oberliga-Duells bei der TuS Dassendorf große Unterhaltung. Es ist ja auch zu schön, einfach mal unbeschwert in Abwesenheit des Trainers auf die Kiste zu schießen. Wenn eine Kugel in der Peripherie des Platzes am Wendelweg landete, hörte der Fehlschütze von seinen Nebenleuten zumeist denselben neckischen Satz: "Mach eine Übung draus."

Als der Anpfiff dann ertönt war, gab es für die "Raubvögel" keine Gelegenheit mehr, ein wenig zu üben. Stattdessen erhielt der Gast in den ersten 45 Minuten eine Lehrstunde in puncto Pressing, Umschaltspiel und Spielorganisation. "Viel besser, als es Dassendorf in der ersten Halbzeit gemacht hat, kann man kaum Fußball spielen", lobte SCC-Coach Christian Woike den Auftritt der TuS in Abschnitt eins. Der zu niedrige 2:0-Erfolg des Champions stand bereits zur Pause fest.

Das Team von Trainer Jan Schönteich knüpfte nahtlos an seine fußballerisch überzeugenden Darbietungen gegen Concordia (1:1) und Niendorf (0:1) an. Im Vergleich zu den vorausgegangenen beiden Begegnungen spiegelte sich das enorme Chancenplus des Titelanwärters diesmal aber auch im Ergebnis wider. Adrian Voigt mit einem trockenen Flachschuss (5.) und Sascha Steinfeldt per Traumtor - der Linksverteidiger schlenzte die Kugel ins untere Eck (27.) - sorgten früh für eine beruhigende Führung.

Das nackte Ergebnis gab jedoch nur ungenügend die Dominanz des Gastgebers wieder. Dassendorf ließ Condor keine Luft zum Atmen. Die Schönteich-Equipe lief den Kontrahenten extrem früh an und zwang ihn so zu langen Bällen, die keinerlei Probleme für die Verteidigung darstellten. Die sehr offensive Ausrichtung kam selbst TuS-Keeper Christian Gruhne phasenweise suspekt vor. "Nicht so hoch stehen", schrie der Schlussmann hin und wieder. Doch seine Vorderleute machten gegen den überforderten Gegner bis zur Pause alles richtig. "Das war ein klasse Auftritt. Viel besser kann man das wirklich nicht machen", lobte Schönteich.

Nach dem Seitenwechsel verfinsterte sich die Miene des Übungsleiters allerdings zunehmend. Vieles blieb bei seiner Elf nun Stückwerk gegen die jetzt in den Zweikämpfen präsenteren Gäste. Chancen waren vor 200 Zuschauern Mangelware. "Die zweite Hälfte war kein Leckerbissen", resümierte Schönteich treffend. Dass "Joker" Kristof Kurczynski und SCC-Verteidiger Jean-Phillipe Gnanzou jeweils wegen Beleidigung noch Rot vom überforderten Referee Tim Wöllmer (FC Süderelbe) sahen (90.+1), passte in das Bild des hektischen zweiten Durchgangs. Ein wenig was "zu üben" gibt es also noch für alle Beteiligten . . .

TuS:
Gruhne (2); Warmbier (2), S. Atug (3), Hamdan (3), Steinfeldt (2); Dettmann (2), Möller (2-3), Aust (2-3), Nägele (3) ab 64. Kurczynski (-), Thomas (2) ab 88. Zmijak (-); Voigt (3) ab 77. Brudler (-).

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