"Wir sind Bundesliga!"

Von Dirk Schulz

Schwarzenbek.
Die Begrüßung ist typisch norddeutsch. Auch damit die Gäste aus Baden-Württemberg gleich wissen, wo sie sind. "Moin, moin Schwarzenbek! Wir sind Bundesliga!", ruft Sprecher Daniel Schmidt, der sich die Aufgabe mit Alexander Wiebke teilt. Zweite Bundesliga müsste es korrekt heißen, aber das wird an diesem Tag, der einen Meilenstein für die Tischtennissparte des TSV Schwarzenbek darstellt, nicht so genau genommen. "Das ist das Ergebnis jahrelanger Jugendarbeit. Und ich glaube, auch noch nicht das Ende der Fahnenstange", lobt der Schwarzenbeker Kreistagsabgeordnete Egon Siepert (SPD).

Die Europastädterinnen haben ihr Zweitligadebüt gegen den DJK Offenburg (Endstand 3:6) extra in die große Halle Buschkoppel verlegt. Und die Kulisse ist mit 280 Zuschauern - darunter Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig - für Tischtennis-Verhältnisse geradezu phänomenal. Zum Vergleich: Der Zuspruch ist doppelt bis dreimal so hoch wie bei den übrigen Begegnungen des Spieltags.

Obwohl der Aufsteiger krasser Außenseiter gegen die Offenburgerinnen ist, bebt die Buschkoppel dank ausliegender Klatsch-Instrumente zeitweilig. Beim ersten Punkt des Tages, den das Doppel Bianca Dahlke/Sejla Fazlic macht. Beim ersten Satz des Tages, den das andere TSV-Doppel mit Spitzenspielerin Polina Trifonova und Lena Mollwitz holt. Und besonders als Schwarzenbeks Vivien Scholz, die Nummer eins der Gäste, Nicole Trosman, in fünf Sätzen niederringt.

Angespornt von der euphorischen Stimmung auf der Tribüne laufen die Schwarzenbekerinnen zur Höchstform auf. In sechs der neun Partien fällt die Entscheidung im fünften Satz. Allerdings viermal mit dem besseren Ende für Offenburg. So geht das Spiel nach drei Stunden und 20 Minuten zwar mit 3:6 verloren. Dennoch können die Debütantinnen sehr zufrieden mit sich sein. "Wir haben gezeigt, dass wir gegenhalten können. Oft haben nur Kleinigkeiten entschieden", resümiert die Nummer drei, Bianca Dahlke.

Wie im Spiel von TSV-Eigengewächs Sejla Fazlic gegen die erfahrene Ukrainerin Tetyana Maksimenko. Vier Matchbälle wehrt die 16-jährige Schwarzenbekerin beim Stand von 6:10 im fünften Satz ab. Dann variiert Maksimenko den Aufschlag, spielt plötzlich lang auf den Körper und holt sich so den Sieg.

Dass es schwer werden würde mit einer Überraschung, hatte sich bereits nach den beiden jeweils mit 2:3 Sätzen verlorenen Doppeln abgezeichnet. Das obere Paarkreuz Trifonova/Scholz glich zwar noch zum 2:2 aus und Trifonova gewann auch ihr zweites Einzel, aber unten reichte es diesmal noch "nur" zu Komplimenten. "So kann man verlieren - mit Anstand", sagte auch TSV-Trainer Mirsad Fazlic. In der Tat: Seine Damen haben Werbung für ihren Sport gemacht. Viele Zuschauer dürften es daher - geografisch nicht hundertprozentig genau - mit Heidi Kabel halten. Wie sang die doch gleich? "In Hamburg sagt man tschüs, das heißt auf Wiederseh'n . . ."