Der "Leuchtturm" am Boden zerstört

Von Hanno Bode

Curslack.
Wenn Marvin Schalitz seinem Hobby, dem Fußballspielen, nachgeht, ist sein Vater Günter meist vor Ort. "Eigentlich muss er viel mehr Kopfballtore machen", kritisiert der Papa häufig seinen Sohn, der knapp zwei Meter misst. Bis dato hat dem "Leuchtturm" des Oberligisten SV Curslack-Neuengamme in der Offensive tatsächlich zumeist das Timing gefehlt. Im Duell mit dem USC Paloma aber war der hoch aufgeschossene Verteidiger mit der Stirn zur Stelle und traf zum 3:2 (83.).

Vater Günter, selbst noch bei den Senioren des SC Hamm aktiv, klatschte zufrieden in die Hände, während sich sein Filius von seinen Teamkameraden feiern ließ. Sieben Minuten später waren die Mienen bei Familie Schalitz verfinstert: Marvin hatte ein törichtes Foul begangen, Jannik Dreyer den fälligen Freistoß zum 3:3-Endstand verwandelt (90.). Zu diesem Zeitpunkt stand Palomas Hauke Brückner schon nicht mehr auf dem Feld (88./Gelb-Rot). Teamkollege Milos Ljubisavljevic sah nach Spielschluss sogar die Rote Karte.

Schalitz bot hingegen ein Bild des Jammers. Mit den Händen vor das Gesicht geschlagen stand der Abwehrspieler einsam im Mittelkreis und haderte mit dem Schicksal. So auch sein Trainer. "Da macht er das 3:2 und dann so ein Ding", seufzte Torsten Henke. Mit dem "Ding" sprach der Coach auf das plumpe Einsteigen Schalitz' rund 25 Meter vor dem eigenen Gehäuse an.

Der "Lange", wie der 19-Jährige beim SVCN gerufen wird, hätte seinen Gegenspieler einfach nur stellen müssen. So durfte sich Dreyer als Kunstschütze versuchen und klaute den Vierländern mit einem famosen Standard den Sieg. Keeper Frederic Böse war machtlos gegen den tollen Freistoß ins Eck.

Böse? Ja, der wegen seines Studiums seit einigen Tagen übergangsweise in Dänemark wohnhafte Kapitän stand überraschend im Curslacker Kasten. "Er hat zu Wochenbeginn Bescheid gesagt, dass er spielen kann, weil er hier noch einige Dinge regeln muss", erklärte Henke. Umso bitterer für den reisegestressten Schlussmann, dass er gleich dreimal hinter sich greifen musste und sich sonst kaum auszeichnen konnte. In einem "unterhaltsamen Oberligaspiel" (Henke) war der Gast zunächst die bessere Mannschaft, in Führung ging jedoch der SVCN durch Marcel von Hacht (16.). Arnold Hoeling konnte bald drauf egalisieren (31.), bevor Mike Beldzik die Hausherren erneut in Front brachte (36.). "Wir haben aus zwei Chancen zwei Tore gemacht", resümierte Henke.

Nach der Pause steigerte sich seine Elf enorm, war nun aber nicht mehr sonderlich effektiv. Von Hacht (47.) und Christoph Hammel (49.) ließen beste Gelegenheiten zum 3:1 aus. Auf der Gegenseite traf Mladen Tunjic wie aus dem Nichts zum 2:2 (52.). Die Vierländer ließen sich nicht beirren, rannten weiter an und waren nach der erneuten Führung dem vierten Saisonsieg nah. Dann aber war Schalitz einen Moment lang unaufmerksam. Und dafür gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit noch einen Rüffel vom strengen Papa.

SVCN:
Böse (4); Kleine (3-4), Spiewak (3), Schalitz (3), Keklikci (3); Papke (2), Radic (3) ab 85. Bannasch (-), Degener (2), Beldzik (3); Hammel (3) ab 77. Aschenbrenner (-), von Hacht (2) ab 58. Landau (3-4).