Mit Tunnelblick zur Titelverteidigung

Bergedorf (dsc). Nach der Hälfte der Distanz lag der deutsche Leichtgewichts-Achter auf dem Lac d'Aiguebelette am Fuße der französischen Alpen nur auf dem zweiten Platz.

Bergedorf (dsc). Nach der Hälfte der Distanz lag der deutsche Leichtgewichts-Achter auf dem Lac d'Aiguebelette am Fuße der französischen Alpen nur auf dem zweiten Platz.
Doch dafür hatte Torben Neumann im sogenannten "Maschinenraum" des Bootes - das sind die vier mittleren Ruderer - keinen Blick. "Ehrlich gesagt: Von den zweiten 1000 Metern habe ich nichts mitbekommen. Es ging nur darum, die Schläge herauszuprügeln. Ich habe nur auf den Rücken meines Vordermannes geachtet, damit das Boot perfekt läuft", sagte der 24-jährige Moorfleeter, der für den RC Allemannia startet. Der Tunnelblick zahlte sich aus. Die leichten Jungs - dürfen im Schnitt nicht schwerer als 70 Kilo sein - verteidigten bei der Weltmeisterschaft Gold.

Im Ziel lagen die Deutschen (5:38,92 Minuten) eine gute Sekunde vor Gastgeber Frankreich (5:40,12 min.). "Das ist großartig. Heute Abend wird gegessen, getrunken und gefeiert", jubelte Neumann nach seinem zweiten WM-Gold. Für ihn endete damit eine Saison höchst erfolgreich, die überhaupt nicht gut begonnen hatte. Bei den deutschen Kleinboot-Meisterschaften kam er mit Vereinskamerad Can Temel nur auf Rang sechs - zu wenig für einen Platz im olympischen Leichtgewichts-Vierer. Immerhin durfte er bei der Universiade in Gwangju/Südkorea in diesem Boot sitzen und brachte Silber mit nach Hause. "Ich habe gehört, das ist wie bei Olympia, nur entspannter", sagt Neumann.

Wenn es nach ihm geht, darf es 2016 gern etwas ernster zur Sache gehen: bei den Spielen in Rio. Und dafür sind seine Chancen nun wieder gestiegen. Denn die diesjährige Vierer-Crew verpasste eines von elf Olympia-Tickets. "Ich werde alles geben", verspricht Neumann. Zunächst freut er sich aber auf eine große Portion Makkaroni mit Käse und Speck - denn jetzt, wo seine Saison vorbei ist, darf er endlich wieder essen, was er möchte.

In den anderen Finale der nicht-olympischen Boote gewann der Frauen-Doppel-Vierer Gold. Silber bei den Männer holten der Zweier mit Steuermann und der Leichtgewichts-Doppelvierer. Die Entscheidungen in den olympischen Klassen steigen an diesem Wochenende. WM-Höhepunkt ist das Achter-Finale mit dem Bergedorfer Eric Johannesen (Sonntag, 14.45 Uhr). Das DRV-Flaggschiff ist Mitfavorit, heißester Goldanwärter ist jedoch das Boot aus Großbritannien.