Ein Brüderpaar für extreme Aufgaben

Von Dirk Schulz

Geesthacht.
Fahrer um Fahrer überholte Marcel de Lannoy. Nachdem der Geesthachter beim Schwimmen einige Schläge und Kratzer einstecken musste und viel Wasser geschluckt hatte, war er nie richtig in seinen Rhythmus gekommen. Doch nun, nach dem Wechsel aufs Rad, machte der 24-Jährige bei der Triathlon-WM in Zell am See/Österreich mächtig Boden gut. Auch seinen älteren Bruder Jean-Pierre - einen guten Schwimmer - hatte er bereits wieder in Reichweite. Doch nach einem 14 Kilometer langen Anstieg mit bis zu 13 Prozent Steigung bekam Marcel de Lannoy plötzlich Magenprobleme.

"Ich musste mich dreimal übergeben und wollte schon aufhören", berichtet der BWL- und Sportstudent, der für das Geesthachter Team "Tri Endurance Germany" startet. Der Energiehaushalt im Keller, die angepeilte Top-Ten-Platzierung auf der halben Ironman-Distanz in seiner Altersklasse (25-29) futsch. Trotzdem quälte sich de Lannoy nach 4:37,10 Stunden und 1,9 Kilometern im Wasser, 90 auf dem Rad, einem Halb-Marathon und noch zweimaligem Übergeben auf Platz 42 ins Ziel. Damit war er eine halbe Stunde langsamer als geplant. "Ich weiß nicht, woran es lag, vielleicht habe ich etwas Falsches gegessen. Es lief nichts zusammen. Aber so ist der Sport", sagte de Lannoy.

Das unterschreibt Bruder Jean-Pierre sofort. Der 26-jährige Bergedorfer strebte im gleichen Wettbewerb ebenfalls einen Rang unter den ersten Zehn an und lag gut im Rennen. Bis zu einer fünfminütigen Zeitstrafe wegen vermeintlichen Windschattenfahrens, was beim Triathlon auf dem Rad nicht erlaubt ist.

"Wir waren eine Gruppe von 40 Leuten, und einen hat es erwischt", haderte er. Schlimmer: Die Zeit musste er in einem dafür vorgesehenen Zelt "absitzen" und verlor so den Rhythmus. Sogar den geschwächten Marcel musste er kurzzeitig passieren lassen. Noch schlimmer: Beim Verlassen des Zelts haben die Offiziellen versäumt, seine Zeit weiterlaufen zu lassen. Eine elektronische Erfassung gab es nicht. Folge: die nachträgliche Disqualifikation. "Weil ich angeblich die Strafe nicht verbüßt habe", ärgert sich Jean-Pierre de Lannoy.

Tagelang schoben die Brüder Frust. Umsonst war die Schinderei mit 20 bis 25 Stunden Training pro Woche. Hatten sich die Trainingslager in den französischen Alpen und auf Mallorca nicht ausgezahlt. Von den hohen Kosten für Ausrüstung, Unterkünfte und Reisen ganz zu schweigen. "Du reißt dir jeden Tag den Ar . . . auf. Warum machst du das eigentlich?", fragte sich Marcel de Lannoy. Antwort: weil sie beim Triathlon ihre Passion gefunden haben.

Marcel ist fünf, Jean-Pierre knapp drei Jahre dabei. Erfolge stellten sich ebenfalls ein. Jean-Pierre ist Landesmeister Schleswig-Holsteins und wurde 2014 beim Hamburg-Triathlon Dritter (jeweils auf der olympischen Distanz). Bei Regionalliga-Wettkämpfen liegen beide regelmäßig vorn. "Marcel ist der stärkere", sagt der große Bruder offen.

Dieser hat derweil die Enttäuschung von Zell am See abgehakt und bereits das nächste Ziel vor Augen: das Triathlon-Mekka Hawaii. "2016 wäre ich gern beim Ironman dabei." Dafür will er sich bereits Ende September auf Mallorca qualifizieren. Dann geht die Quälerei von vorn los - aber bitte ohne Magenprobleme.

"Ich musste mich dreimal übergeben und wollte schon aufhören." Triathlet Marcel de Lannoy über die Strapazen bei der WM