Ultras ganz unten

Von Dirk Schulz

Gülzow.
Der metallene Unterstand auf dem Fußballplatz des TSV Gülzow fristete jahrelang ein tristes Dasein. Einst diente er einzig dazu, dass die handverlesene Zuschauerschar die Darbietungen des Dorfvereins zumindest trocken verfolgen konnte. Heute ist dort die "Gülzower Support Elite" (GSE) beheimatet und immer etwas los. Diese Fangruppierung hat sich der bedingungslosen Unterstützung des Kreisligisten verschrien - ganz wie die Ultras eines Profivereins.

Für GSE-Gründer Matthias Horst, den alle nur "Monty" nennen, ist es indes kein profaner Unterstand, sondern "unser Block". Und den haben er und seine Mitstreiter von einem Graffiti-Künstler mit dem TSV-Logo in den Vereinsfarben sowie dem Symbol der "Support-Elite" - ein Affe, der eine Klubfahne schwenkt - bemalen lassen. Vor Heimspielen bereitet die GSE (Horst: "Der Name ,Ultras' passt nicht zu einem Dorfverein") ihren Block vor, hängt Fahnen und Banner auf. "Pintenpark Stadion" steht auf einem. "Unser Vereinsheim wird Pinte genannt", erklärt Horst die Namensschaffung.

Angefangen hatte alles im Herbst 2013 mit einer "Schnapsidee" bei einem Derby gegen Grünhof-Tesperhude. "Christian Masloke und ich hatten beschlossen, mal ein bisschen Alarm zu machen. Wir haben dann ein bisschen gesungen, aber lange nicht so viel wie jetzt. Das wurde von Spiel zu Spiel mehr", blickt "Monty" zurück.

Heute kommt ein Stamm von rund zwei Dutzend Hardcore-Anhängern zu den Partien, manchmal weitaus mehr. "Unsere Fans sind absolute Spitzenklasse. Was die sich alles einfallen lassen, das ist Gänsehaut pur", schwärmt Betreuer Jürgen Maaß. Und an Ideen mangelt es nicht: Es gab einen "Derbymarsch" ins fünf Kilometer entfernte Hamwarde oder einen 45-minütigen Boykott für schwache Leistungen. "Kapitän Pascal Heyden hat dann vor der Mannschaft eine Ansprache gehalten, dass er das nicht noch mal erleben möchte. Das Spiel haben wir dann 9:1 gewonnen", erinnert sich Horst zurück.

Doch wie wird man "Ultra" eines Kreisligisten? "Ich stand lange Zeit auf der Nordtribüne beim HSV. Das hat mir aber keinen Spaß mehr gemacht, hier aber schon. Das ist unser Verein. In dieser Saison habe ich nur ein Spiel verpasst, weil ich auf einem Festival war", sagt der 27-Jährige.

Auch bei anderen Klubs in der Umgebung haben treue Fangruppen Konjunktur, etwa beim SC Vier- und Marschlande II ("Ultras SCVM 2") oder dem ASV Bergedorf (Anhänger Club ASV Bergedorf 85). Mit den "Elstern" sind die Gülzower befreundet. Wenn es der Spielplan zulässt, verstärken sie die jeweils anderen, um noch lauter, auffälliger zu sein. Höhepunkt war Gülzows Heimspiel gegen Hamwarde: Rund 100 Fans - die Bergedorfer waren auch da - hatten sich zum Einlauf der Teams unter einer gigantischen zwölf mal neun Meter großen Fahne verborgen und tauchten im grün-weiß-roten Konfettiregen wieder auf.

Für das letzte Kreisliga-Heimspiel gegen Düneberg (Sonntag, 14.30 Uhr, Schloßstraße) heißt das Motto "Beachparty". "Wir verwandeln unseren Block in einen Strand mit aufblasbaren Palmen und so. Wir wollen Urlaubsfeeling herstellen, weil ja bald Sommerpause ist", sagt Horst. Und auch nach dem wohl unvermeidlichen Abstieg in die Kreisklasse bleibt die Gülzower Support Elite ihrem TSV treu. Oder wie hieß es doch gleich gegen Hamwarde auf einem Plakat: "Egal, ob KL oder KK. Wir sind immer für dich da!"