Escheburg

Ein Herz für den echten Radsport

Escheburger SV: Neue Abteilung

Mafiöse Strukturen, Manipulation und Doping: Der professionelle Radsport steckt seit Jahren in einer hausgemachten Krise. Sponsoren und Medien haben sich abgewandt. Noch schwerwiegender trifft den Sport allerdings der Vertrauensverlust seiner vormals begeisterten Anhängerschaft. "Früher habe ich mir alles angeguckt. Jetzt boykottiere ich das ganz bewusst", sagt Jörn Rieck. Für den echten Radsport der Amateure schlägt sein Herz aber noch immer. Deswegen hat Rieck gemeinsam mit Ingo Folkers beim Escheburger SV eine Radsportabteilung aus der Taufe gehoben.

Die Idee hinter der Neugründung ist einfach: "Wir fahren sowieso alle Rad, und das ist ja eigentlich kein Individualsport", erklärt Folkers. 18 Radsportbegeisterte umfasst momentan der E-Mail-Verteiler, mit dem die Gruppe ihre Fahrten organisiert. "Acht sind eigentlich immer dabei. Die anderen kommen hinzu, wenn sie Lust haben", sagt Rieck, der als Abteilungsleiter fungiert.

Zweimal in der Woche treffen sich die Escheburger für ihre Radtouren. Bis zu 100 Kilometer legen sie an einem Tag zurück, gern fahren sie entlang des Elbdeiches. "Wir sind aber bemüht, neue Strecken zu erkunden", erklärt Rieck.

Einen Wettkampfcharakter hat das Fahren zwar noch nicht, aber der Abteilungsleiter versichert: "Es soll schon etwas Ehrgeiz dabei sein." Wer sich die schicken Mountainbikes und Rennräder der Escheburger anschaut, glaubt das sofort. Dietmar Eilers hat für sein Gefährt mehr als 2000 Euro ausgegeben.

Das Radeln ist für die Radsportfreunde aus Escheburg eben eine Herzensangelegenheit, die mit professionellen Strukturen nur wenig zu tun hat. Ganz ohne Vorbilder geht es dann aber doch nicht. Wie die Teams bei der Tour de France möchten auch die Escheburger in einem einheitlichen Outfit ihre Kilometer abreißen. "Wir haben unsere Trikots schon bestellt", sagt Folkers. "Habt ihr dabei auch an mich gedacht?", fragt Ines Rieck. Die Gattin vom ESV-Abteilungsleiter ist bisher die einzige Frau im Team. Das soll sich in Zukunft ändern.

"Langfristig wollen wir Spinning-Kurse im ESV anbieten", sagt Folkers. Das Indoor-Cycling ist besonders bei Frauen beliebt und soll den Sport auch im Winter ermöglichen. Wer solange nicht warten möchte, kann auch jetzt einfach auf sein Rad steigen und Mitglied werden.