Geesthacht

Ist Hallenfußball noch zeitgemäß?

Umstritten: Schleswig-Holstein setzt künftig ausschließlich auf Futsal - Reaktionen aus dem Heimatgebiet

Fußball-Hallenturniere bald nur noch nach Futsal-Regeln? Was sich vor dem jetzt startenden Spektakel unter dem Hallendach mehr als ungewöhnlich anhört, gilt in Schleswig-Holstein ab 2016 als abgemacht. Demnach wollen die Verbandsoberen alle Turniere nach Futsal-Facon durchführen. "Auf dem DFB-Bundestag wurde das so beschlossen, worüber ich sehr froh bin. Ich bin ein Fan des Futsals", sagt Verbandspräsident Hans-Ludwig Meyer. Für Hamburg ist diese Praxis nicht angedacht, wie Pressesprecher Carsten Byernetzki angibt: "Wir planen derzeit keine reine Futsal-Saison."

Es bleibt also vorerst beim klassischen Budenzauber, niemand muss sich kurzfristig umgewöhnen. Auch nicht die beiden Teilnehmer an den 12. Hallenmasters am 11. Januar in der Sporthalle Hamburg, die Oberliga-Top-Teams TuS Dassendorf und der SV Curslack-Neuengamme. Dort wird es unter den hanseatischen Elitekickern sicher nicht zimperlich zugehen. Eine schnelle Regelreform ist nicht in Sicht. "Das ist eine Top-Veranstaltung", sagt SVCN-Coach Torsten Henke, "nicht vergleichbar mit anderen Turnieren."

Bei Kontrahent und TuS-Trainer Jan Schönteich bewirkt auch die Masters-Qualifikation kein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf Hallenfußball/Futsal: Er gestattet aber seinem Spieler Dennis Tornieporth, die Verantwortung für die vielen Hallenauftritte des Spitzenreiters zu übernehmen. Mit diesen Prämissen: "Spaß haben, ordentlich verhalten, keine unnötigen Karten kassieren und nicht verletzen."

Das ist auch die Maxime beim Landesligisten VfL Lohbrügge und dem klassentieferen SV Börnsen. Diese Teams verzichten komplett auf die Halle, weil die Kader zu dünn sind. Lohbrügges Trainer Peter Martens lässt sich auch vom körperlosen Spiel nicht locken: "Ich habe nichts gegen Futsal, aber es ist einfach nicht meins."

Futsal ist schon jetzt in der Turnierszene ein stetes Element. Auch gleich am Wochenende beim hochkarätigen Aktas-Cup des FSV Geesthacht: Im Zwölferfeld tritt außer dem Oberliga-Trio Dassendorf, Oststeinbeker SV und SC Vier- und Marschlande auch der deutsche Futsal-Meister Hamburg Panthers sowie der norddeutsche Champion Team Yasar als Titelverteidiger an.

Gut möglich, dass klassischer Hallenfußball und Futsal in den kommenden Jahren stärker miteinander verschmelzen. "Ich fände es sinnvoll, wenn man die eine oder andere Regel aus dem Futsal übernehmen würde, um die Spieler stärker zu schützen", sagte der Trainer des SV Altengamme, Daniel Andrade, "aber man sollte nicht Traditionsturniere für den Futsal wegrationalisieren." OSV-Coach Stefan Kohfahl, ein erklärter Futsal-Freund, meint zur schleswig-holsteinischen Regelreform. "Für offizielle Turniere finde ich das gut. Bei inoffiziellen Veranstaltungen wie Freundschaftsturnieren sollte man die ausrichtenden Vereine jedoch nicht bevormunden."