Schwimmtalent

"Ich fühle das Wasser"

Bergedorf. Maxine Wolters war gerade mal acht Jahre alt, als sie eine wichtige Entscheidung traf. "Schwimmen macht mir Spaß. Ich fühle das Wasser", eröffnete sie eines Tages ihrer Mutter Marion Wolters.

Also fort mit den Gedanken ans Hockeytraining und Querflötespielen, Hobbys, die Maxine auch gerne betrieben hätte, und sogar vom Kunstturnen, das sie damals schon ziemlich engagiert betrieb, ließ sie schließlich ab.

Schwimmen sollte es sein. Heute, gut fünf Jahre später, lässt sich bereits ahnen, dass ihre damalige Entscheidung ein Glücksfall für den deutschen Sport gewesen sein könnte. Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin war die mittlerweile 13-Jährige gleich auf vier Strecken in ihrer Altersklasse die Beste in ganz Deutschland. Auf ihren Hauptlagen - 100 und 200 Meter Rücken, 200 und 400 Meter Lagen - ist die Escheburgerin, die für die SG Bille startet, im Jahrgang 1999 national das Maß der Dinge.

"Eigentlich habe ich damals gar nicht so viel davon gehalten, dass sie ausgerechnet Schwimmen wollte", erinnert sich Marion Wolters. Besser als jede andere kann Maxines Mutter nachfühlen, was eine Karriere als Leistungsschwimmerin für ein junges Mädchen bedeutet. Bei den Europameisterschaften 1991 in Athen gewann sie unter ihrem Mädchennamen Marion Zoller Bronze über 200 Meter Lagen, bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona siegte sie im B-Finale über 200 Meter Rücken, das bedeutete Platz neun. Ehemann Kersten Wolters war früher ein erfolgreicher Weitspringer und Dreispringer. Er verpasste die Qualifikation für die Spiele in Barcelona nur knapp.

Der Rückhalt des erfahrenen Leistungssport-Haushalts hilft Maxine natürlich enorm weiter. Praktisch täglich fahren die Eltern sie klaglos von Escheburg ins Leistungszentrum Dulsberg. Sechs Trainingseinheiten pro Woche absolviert die 13-Jährige, da bleibt natürlich kaum Zeit für anderes. Trotzdem ist sie eine glänzende Schülerin und spielt regelmäßig Geige. "Ich finde es wichtig, dass sie etwas für ihren geistigen Ausgleich hat", sagt Marion Wolters. Um das künftig auf neun Einheiten steigende Trainingsprogramm bewältigen zu können, wechselt Maxine im Sommer auf die Sportschule in Dulsberg. Kurze Wege und abgestimmte Lehrpläne machen dann vieles einfacher. "Sie hat immer noch einen Riesenspaß am Schwimmen", hat ihre Mutter beruhigt festgestellt. Somit hätte die achtjährige Maxine von damals also Recht behalten.

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