SV Curslack-Neuengamme

Alles auf Null

Foto: Bode / Hanno Bode

Curslack. Nach zwölf Jahren kehrt Marco Theetz dem Fußball-Oberligisten SV Curslack-Neuengamme den Rücken und wechselt zur TuS Dassendorf. SVCN-Trainer Torsten Henke ist enttäuscht.

Das könnte gut und gern als Millionenfrage beim Jauch durchgehen: "Wo spielte Marco Theetz, bevor er zum SV Curslack-Neuengamme wechselte?" "Von meinen aktuellen Mitspielern dürfte das kaum noch einer wissen", amüsiert sich der 32-Jährige, "na ja, vielleicht Marco Blättermann."

Ziehen wir also den Publikumsjoker: Es ist der SV Bergedorf-West! Schon als 16-Jähriger hatte Theetz dort als hoffnungsvolles Schiedsrichter-Talent gegolten, mit 19 wollte er dann aber endlich weg von BeWe, denn er war fußballerisch längst zu gut für die Kreisliga. Ein passender Verein war auch schnell gefunden. "Ich hatte dem SV Börnsen bereits zugesagt", verrät Theetz.

Börnsen, das klang nach Karriere: Naturrasen statt Grand, Landesliga statt Kreisliga. Der SVB, das waren damals die "Unabsteigbaren", die Party-Könige - mit anderen Worten: eine Mannschaft wie gemacht für Theetz. "Ja, ein harmonisches Umfeld ist mir wichtig", bestätigt er. Was wäre wohl aus dem SVB geworden, wenn er tatsächlich dort gelandet wäre? Würden dann die Börnsener heute in der Oberliga für Furore sorgen?

Am 25. November 2000 sollte das Schicksal jedoch eine andere Wendung nehmen. An diesem Nachmittag spielte der SV Bergedorf-West II in der Kreisklasse beim SV Curslack-Neuengamme II und kam mit 0:7 ganz fürchterlich unter die Räder. Augenzeuge: Theetz. "Zufällig traf ich Andreas Hammer, den damaligen Trainer der ,Ersten' des SVCN, und wir kamen ins Gespräch. Schließlich entschied ich mich für Curslack, vertauschte also Landesliga mit Bezirksliga und Naturrasen mit Grand."

Es sollte eine gute Entscheidung sein, denn als Torsten Henke Hammer 2002 als Trainer ablöste, begann eine einzigartige Ära des Erfolgs. Bei Henke genoss Theetz alle Freiheiten auf und außerhalb des Platzes. Der Erfolg gab ihnen recht: Der SVCN stieg bis in die Oberliga auf, wurde 2009 Hamburger Hallenmeister.

Doch im Sommer ist nun Schluss. Theetz schließt sich der TuS Dassendorf an. "Ich wollte alles mal auf Null bringen", schildert er seine Motivation, "neue Mannschaft, neuer Trainer, neues Umfeld." Der Abgang misslingt. Ausgerechnet sein langjähriger Weggefährte Henke erfährt per Anrufbeantworter vom Abschied seines Spielmachers, ein Fauxpas, für den sich Theetz mittlerweile entschuldigt hat. "Natürlich ist das kein normaler Abgang für mich", gibt Henke zu, "zum Teil kann ich das schon verstehen. Vielleicht braucht man mal eine Luftveränderung. Aber warum jetzt? Hier in Curslack gibt es viele, die viel für Marco getan haben."

Die Kult-Figur Theetz wird am Gramkowweg eine riesige Lücke hinterlassen.

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