Fußball

Ehemaliger Zeugwart glänzt im Tor

Foto: Bock

Bergedorf. Das Tabellenschlusslicht der Fußball-Oberliga Bergedorf 85 hat überraschend das Hallenturnier des Rahlstedter SC gewonnen. Für den kranken Keeper Tobias Braun stand der frühere Zeugwart des GSK Bergedorf, Süleyman Karahan, zwischen den Pfosten.

Die gesamte Halle lacht, und Süleyman Karahan lässt sich feiern. Mit beiden Händen kneift er in seine kleine Wampe und macht damit deutlich: "Seht her, mit dem Bauch habe ich den Ball gehalten." Der Aushilfstorhüter des FC Bergedorf 85 hatte just im Viertelfinale des "3. RSC-Cups" den zweiten Neunmeter gegen den Oststeinbeker SV abgewehrt und damit das Weiterkommen gesichert. Schon das hatte niemand erwartet, aber als "85" erst im Halbfinale den TSV Sasel (2:0), und dann im Finale auch noch Oberliga-Konkurrent SC Condor mit 2:1 besiegte, war die Sensation perfekt.

Karahan, der ehemalige Zeugwart des GSK Bergdorf, war kurzfristig von "85"-Berater Hakan Karadiken zum Torwart bestimmt worden, da Bergedorfs Keeper Tobias Braun krankheitsbedingt ausfiel. Dass sich die Bergedorfer trotz des ungelernten Torhüters durchsetzten, lag vor allem an ihrer kompakten Defensivarbeit. "Die Jungs haben wieder Spaß, und man hat gesehen, dass sie Fußball spielen können", freute sich Bergdorfs Trainer Alfred Gerdts, dessen Miene sich beim Thema Argetim Kaba und Yasar Koca allerdings verfinsterte.

Zu Kocas voraussichtlichem Abflug Richtung erster estnischer Liga wollte Gerdts keinen Kommentar abliefern. Und zu der Frage, warum Argetim Kaba beim Turnier in Rahlstedt im Dress des OSV auflief, sagte Gerdts: "Argetim ist nur für dieses Turnier ausgeliehen." Kaba selbst sieht die Sache aber ganz anders: "Ich gehe ganz sicher nicht nach Bergedorf. Entweder wird es Oststeinbek oder ich mache eine Pause."

Auch neu im OSV-Dress: Erdinc Örün. Zuletzt spielte der Ex-Bergedorfer bei Germania Schnelsen, konnte sich aber auch dort nicht durchsetzen. Selbst mit Hallenspezialist Örün war für den OSV im Viertelfinale Schluss. Torwart Yalcin Ceylani suchte nach Erklärungen: "Vielleicht haben sich einige junge Spieler zu sehr auf die älteren wie Michi Meyer und Imad Mokaddem verlassen." Die Gruppenphase hatte der OSV ebenfalls nicht so souverän durchlaufen wie sonst. Im letzten Gruppenspiel gegen den SC Vier- und Marschlande erzielte Adrian Voigt erst wenige Sekunden vor Schluss den Ausgleichstreffer, womit der OSV, der SCVM und der USC Paloma punktgleich waren. Das Torverhältnis entschied letztlich zugunsten des OSV.

Der SCVM machte bis zu seiner Viertelfinalpartie gegen den TSV Sasel eine gute Figur, ließ sich dann aber überrumpeln. Kurz vor Spielschluss drückten die Saseler eine Ecke ins SCVM-Gehäuse. Im Halbfinale war dann aber auch für den TSV Schluss. Ioan Zele und Dogan Kartal trafen zum Bergedorfer 2:0-Sieg. Im Finale gegen den SC Condor sorgte Yasar Koca für die Führung, Georges Nkengni stellte nach dem zwischenzeitlich Ausgleich den 2:1-Endstand her.

Die Bergedorfer räumten nicht nur die 500 Euro Preisgeld, sondern auch noch fast alle Einzelehrungen ab. Emin Basdar wurde zum besten Spieler gewählt, Koca holte sich mit fünf Treffern die Torjägerkanone. Als bester Torhüter wurde Felix Opoku vom TSV Sasel geehrt, auch wenn Karahan es sicher ebenfalls verdient gehabt hätte.

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