HSV

"Mitglieder sind die ,Chefs' des Vereins"

Reinbek. 14 Kandidaten stehen am 13. Januar 2013 zur Wahl für vier Plätze im Aufsichtsrat des Hamburger SV. Einer davon ist der Reinbeker Jens Ritter.

Der 53-Jährige ist Geschäftsführer des RehaCentrums Hamburg sowie des Klinikums Bad Bramstedt und seit über zehn Jahren Stammgast auf der Nordtribüne der Imtech Arena, Block 23C. Die Sportredaktion hat ihn zu seiner Kandidatur befragt.

Herr Ritter, wie ist Ihre Liebe zum HSV entstanden?

Jens Ritter:

Oh, das war schon sehr früh. Im Sommer 1976 sind wir mit vier Mann im VW-Käfer zum Pokalfinale ins Frankfurter Waldstadion gefahren. Ich war 17 Jahre alt, es war ein brütend heißer Tag, und der HSV hat 2:0 gegen Kaiserslautern gewonnen.

Zuletzt waren solche Jubeltage eher selten.

Das stimmt. In Erinnerung sind eher Negativ-Erlebnisse wie das Pokalhalbfinale gegen Werder Bremen oder die Niederlage gegen St. Pauli im Volkspark geblieben. Ich hatte vor zwei Jahren auch eine Karte für das Finale der Europa League, und dann spielt da in unserem Stadion Fulham gegen Atletico Madrid.

Als Mitglied des Aufsichtsrats könnten Sie dazu beitragen, dass wieder bessere Zeiten kommen. 14 Kandidaten gibt es, alle wollen eine wirtschaftliche Gesundung und mehr Miteinander im Verein. Wo liegt da Ihr Alleinstellungsmerkmal?

In meiner Erfahrung in der Führung von großen sozialen Organisationen mit den unterschiedlichen Interessensströmungen. Ich bin beruflich verantwortlich für 1000 Mitarbeiter und einen Etat von 75 Millionen Euro pro Jahr. Man muss beim HSV die Mitglieder bei den wesentlichen Vereinsentscheidungen mitnehmen. Sie sind doch letztlich die "Chefs" des Vereins. Dafür bedarf es einer Kontinuität im Vorstand und im Aufsichtsrat, einer soliden Personalpolitik, in der ein roter Faden erkennbar wird. Das war beim HSV in der Vergangenheit nicht immer gegeben. Wir brauchen Kontinuität, Konstanz und Nachhaltigkeit beim sportlichen und wirtschaftlichen Konzept.

Wie soll das konkret aussehen?

Es geht darum, Konzepte und Veränderungsmaßnahmen besser zu kommunizieren sowie Vor- und Nachteile zu Entscheidungen darzustellen. Nehmen Sie zum Beispiel den Vertrag mit dem Tickethändler Viagogo. Da sagt der Vorstand "Wir wollen den Schwarzmarkthandel von Eintrittskarten unterbinden" und verweist die Fans an eine solche Firma, die die Tickets dann überteuert verkauft. Das brüskiert die Mitglieder. Ein Gegenbeispiel ist die Fan-Anleihe: ein super Projekt, gut kommuniziert, binnen drei Tagen ausverkauft.

Der Normalbürger auf der Tribüne spendet für Profis - ein super Projekt?

Nein, es geht ja darum, die Mittel für die Weiterentwicklung der professionellen Nachwuchsförderung einzusetzen. Da hat der HSV Nachholbedarf. Zudem ist die Anleihe verzinst. Und vor allem: Niemand wird gezwungen, sich zu beteiligen. Bei höheren Ticketpreisen ist das anders.

Die Mitglieder des Aufsichtsrats hatten in der Vergangenheit keine Probleme zu kommunizieren. Sie sind in den Medien präsenter als bei jedem anderen Verein, dabei steht in der Geschäftsordnung, dass nur der Aufsichtsrats-Vorsitzende das Recht hat, Gremienbeschlüsse nach außen zu vertreten. Wie werden Sie sich verhalten, wenn sie gewählt würden?

Natürlich regelkonform. Es sind aber Situationen denkbar, in denen Themen in Unterarbeitsgruppen besprochen werden und der Vorsitzende nicht alle Details bei der Hand hat, sodass es Sinn macht, wenn sich ein anderer aus dem Aufsichtsrat in einem abgestimmten Vorgehen äußert.

Im Sommer hieß es, der HSV müsse sparen. Als es dann sportlich eng wurde, hat man das Geld für Stars wie Rafael van der Vaart mit vollen Händen ausgegeben. Wie beurteilen Sie das?

Es kommt schon vor, dass man situativ handeln muss, aber man sollte nicht damit weitermachen, situative Entscheidungen ohne konzeptionelle Orientierung zu treffen. Natürlich kann ein Aufsichtsratsmitglied nicht unbedingt beurteilen, ob ein bestimmter Spieler in den Kader passt. Aber die Hauptfunktion des Aufsichtsrats ist die Kontrolle des Vorstands zu relevanten Entscheidungen. Und ob die Argumentation und das Konzept des Sportchefs schlüssig sind oder nicht, das muss er beurteilen können.