Noel Okona

Verletzung stoppt Basketball-Talent

Bergedorf. An diesem Wochenende hält der Deutsche Basketball-Bund sein Trainings-Camp für die künftige U16-Nationalmannschaft im Leistungszentrum Kienbaum bei Berlin ab.

In der ehemaligen Sportschule, wo sich sonst die Olympiahoffnungen im Kanu, Turnen und der Leichtathletik auf ihre Wettkämpfe vorbereiten, wartet auf die 42 besten Nachwuchs-Basketballer des Landes unter den Augen von Bundestrainer Harald Stein eine knallharte Selektion: Die bessere Hälfte wird die "Try Outs" als Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft verlassen, die schlechtere Hälfte muss auf eine spätere Chance hoffen.

Unter den Jugendlichen hätte auch der 15-jährige Bergedorfer Noel Okona sein sollen, für den Kienbaum eine große Chance gewesen wäre, sich in den Blickpunkt zu spielen. "Zum jetzigen Zeitpunkt gehört er in seiner Altersklasse ganz sicher zu den Stärksten in Deutschland", schätzt Lars Mittwollen, Head Coach der Sharks Hamburg, des Tabellenführers der Jugend-Basketball-Bundesliga Nord. Dort zählt Okona, der in einer Doppellizenz auch für die TSG Bergedorf spielt, regelmäßig zu den Top-Scorern.

Seine Stärke sind seine flinken Hände. Sechs Steals schafft Okona im Schnitt pro Partie, sechsmal also luchst er seinem Gegenspieler den Ball ab und stürmt dann wie auf unserem Foto allein auf den gegnerischen Korb zu. Denn für seine Körpergröße von 1,92 Metern ist der Bergedorfer enorm schnell unterwegs. Eigenschaften, mit denen der Defensiv-Spezialist schon so manchen Gegenspieler zermürbt hat. "Top-Scorer, die sonst 20, 30 Punkte machen, denen gelingen vielleicht gerade noch vier, wenn Noel sie verteidigt", schildert David Schulze, der Trainer der TSG Bergedorf, mit der Okona in der Hamburger U16-Leistungsklasse spielt. Mit diesen Eigenschaften stach Okona, der schon als 13-Jähriger seinen ersten Dunking schaffte, früh heraus.

Doch beim Spiel der TSG gegen den BC Hamburg wurde er am vergangenen Wochenende jäh durch eine Verletzung ausgebremst. "Ich bin ausgerutscht und habe mir dabei das Knie verdreht", schildert Okona, "es hat einmal geknackt, und dann hatte ich sofort Schmerzen. Ich habe zwar erst noch weitergespielt, aber schnell gemerkt, dass es nicht mehr geht." Die Kernspintomographie im Krankenhaus ergab einen Meniskusriss, der nun am Montag operiert wird. Wie lange Okona danach ausfällt, ist unklar. Von wenigen Wochen bis zu sechs Monaten ist alles möglich. Sicher ist nur: Der Traum von der U16-Nationalmannschaft und der Teilnahme an der Europameisterschaft im kommenden Sommer in der Ukraine ist erst einmal geplatzt.

Dass er trotzdem seinen Weg machen wird, davon ist Mittwollen überzeugt. "Die Nationalmannschaft, das sind letztlich nur 0,1 Prozent der Spieler aus den Bundesländern", überschlägt der Sharks-Coach, "um dort mit dabei zu sein, muss man schon sehr überragend sein. Sollte Noel wirklich länger ausfallen, dann können sich die anderen jetzt schon für die Folgesaison warm anziehen."