Schmerzensgeld

50 000 Euro Strafe für ein Foul

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Bergedorf. Ein Foul kann Amateurfußballer künftig teuer zu stehen kommen: Das Oberlandesgericht Hamm hat einem Maler, der seitdem nicht mehr arbeiten kann 50 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Es geschah während eines Kreisligaspiels: Ein Gegenspieler traf Michael Schlein vom VfB 08 Lünen (Nordrhein-Westfalen) mit gestrecktem Bein so schlimm am Knie, dass der seitdem zwölfmal operiert werden musste. Schlein kann seit dem Foul seinen Beruf als Maler und Lackierer nicht mehr ausüben. Zweieinhalb Jahre kämpfte er vor Gericht. Nun sprach ihm das Oberlandesgericht Hamm 50 000 Euro Schmerzensgeld zu.

"Wer seinen Gegenspieler beim Fußball rücksichtslos foult, haftet für die Verletzungen, die er dem Gegner bei dem unfairen Zweikampf zufügt", heißt es in der Begründung. Neben der Geldstrafe können auf den Übeltäter weitere Kosten wie Schadensersatz für Ausfall- und Krankengeld sowie für Folgeschäden bei der Berechnung der Rente hinzukommen. Wir haben Meinungen von Fußballern und Funktionären zu dem Urteil eingeholt.

Carsten Byernetzki (Sprecher des Hamburger Fußball-Verbands): "Ich sehe in dem Fall die Problematik der Beweislage. Hat ein Spieler nur fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt? Wenn jemand zu 100 Prozent mit Vorsatz gehandelt hat, kann ich dem Richterspruch folgen. Doch es muss immer im Einzelfall entschieden werden."

Tim Jarama (Spieler beim ETSV Hamburg): "Mir hat ein Gegenspieler vor gut einem Jahr das rechte Schien- und Wadenbein gebrochen. Mein erster Gedanke damals: Wie erkläre ich das meinem Arbeitgeber? Sechs Monate war ich krankgeschrieben. Erst jetzt, ein Jahr später, konnte ich wieder Fußballspielen. Als ich von der 50 000-Euro-Strafe hörte, habe ich gedacht: 'Ich hätte auch klagen sollen'."

Torsten Henke (Trainer des SV Curslack-Neuengamme): "Im Vergleich zu früher wird heute weitaus fairer gespielt. Daher sind dieses Foul und das Urteil auch völlig außergewöhnlich. Dass sich nun Abwehrspieler Gedanken darüber machen, ob sie in den nächsten Zweikampf behutsamer einsteigen sollen, kann ich mir nicht vorstellen."

Bert Ehm (Versicherungsmakler und Trainer von Germania Schnelsen): "Bei uns können sich Vereine und Amateurfußballer gegen Verletzungen versichern. Für einen Fingerbruch oder einen Bänderriss gibt es zum Beispiel 2000 Euro. Wer hingegen vorsätzlich ein Foul begeht, ist persönlich dafür haftbar."

Jan Polevsky (Ex-Torhüter SC Vier- und Marschlande): "Nach einer Knieverletzung hat mich mein damaliger Chef vor die Wahl gestellt: Fußball oder Arbeit? Das hat mich sehr traurig gemacht, da ich einfach mit ganzem Herzen Fußballer bin. Ich habe dann aus anderen Gründen den Arbeitgeber gewechselt und einen neuen Anlauf beim SCVM genommen. Als die alte Verletzung jetzt wieder aufgebrochen ist, habe ich mir gesagt: Das war's."