VfL Lohbrügge

Ein Feldspieler als Torhüter

Foto: rokos / Rokos

Lohbrügge. Auch mit einem Feldspieler im Tor gewann der Oststeinbeker SV das Duell der Fußball-Landesliga beim VfL Lohbrügge mit 2:1. Gleich zwei Spieler wurden des Feldes verwiesen.

Der beste Basketballer aller Zeiten, Michael Jordan, bestach durch seine Vielseitigkeit. Unter dem Korb war er genauso gefährlich wie bei Freiwürfen oder jenseits der Drei-Punkte-Linie. Insofern hatten die Eltern des Oststeinbeker Fußballers Michael Jordan Manu Löw einen guten Riecher, als sie ihren Sohn nach ihm benannten, denn an Vielseitigkeit kann es Michael Löw durchaus mit dem US-Idol aufnehmen. Beim 2:1-Sieg des OSV am Sonnabend beim VfL Lohbrügge spielte Löw im Angriff, im Mittelfeld und sogar im Tor - nur nicht da, wo er normalerweise zu Hause ist: in der Abwehr.

Das Wechselspiel hatte seinen Grund. Dem OSV fehlte ein halbes Dutzend Stammkräfte, Kreativität war gefragt. Da kein Stürmer mitgereist war, stellte Trainer Stefan Kohfahl kurzerhand Löw in den Angriff, doch der vergab seine einzige Chance kläglich und wurde schnell ins linke Mittelfeld zurückbeordert. Dann kam die 32. Spielminute: Lohbrügges Mittelstürmer Ibrahim Kilic verlängerte eine Hereingabe von Patrick Steffens per Kopf auf David Özcerkes, der von OSV-Keeper Maximilian Hentrich von den Beinen geholt wurde - Elfmeter und Rot für Hentrich.

Nun war im Oststeinbeker Lager endgültig guter Rat teuer. Ein zweiter Torwart war nicht mitgereist, und so musste wieder mal Löw herhalten. Am Elfmeter von Kilic gab es allerdings nichts zu halten (34.) - die schmeichelhafte 1:0-Führung für die Gastgeber, die in der Folge den Fehler machten, sich zu sehr auf der Überzahl und dem Vorsprung auszuruhen. "Das hat eine gewisse Blutarmut", kritisierte VfL-Coach Jörn Geffert den Auftritt seiner Elf.

Auf der Gegenseite übte Kohfahl nun durch permanente Beschwerden Druck auf das Schiedsrichter-Gespann aus. "Manipulativ" nannte das Geffert, der später Kohfahl beleidigte und dafür seiner Coaching-Zone verwiesen wurde. Kohfahls Attacken zeigten Wirkung: Binnen fünf Minuten kippte die Partie. Zunächst sah Lohbrügges Velten Behrend nach einem harmlosen Foul an Alpaslan Arslan Gelb-Rot (50.), dann vollendete Arslan eine Oststeinbeker Traumkombination über Marc Oldag, Damian Stenzel und Rafael Monteiro zum längst verdienten 1:1 (55.). Als dann Imad Mokaddem im Lohbrügger Strafraum ins Stolpern kam, zeigte Referee Jan-Erik Sternke erneut auf den Punkt. Monteiro verwandelte zum 2:1-Endstand für den OSV (72.).

In der Schlussphase vergaben die Gäste im Minutentakt beste Möglichkeiten, das Ergebnis höher zu gestalten, so köpfte Robin Woost einen Heber von Monteiro von der Linie (75.). "Wir hätten hier 7:1 gewinnen müssen", bemängelte Kohfahl, und das war nicht übertrieben. So musste der OSV froh sein, dass in der Nachspielzeit nicht noch der Ausgleich fiel. Agit Aydin schoss Löw an. Es war die einzige Rettungstat des Aushilfs-Keepers, aber auch Michael Jordan war ja immer für die entscheidenden Punkte gut.

VfL: Nennhaus (2); Göttmann (4) ab 46. Müller (3-4), Flick (3-4), Kastl (4) ab 74. Woost (-), Maric (2-3); Höricke (3-4), Özcerkes (3); Behrend (4), Smaga (4) ab 64. Aydin (-), Steffens (3); Kilic (3-4). OSV: Hentrich (4); Bacar (3-4), Khalili (3), Iddrisu (3), Stenzel (2-3) ab 82. Lawer (-); Mokaddem (3-4), Meyer (3-4); Monteiro (2), Oldag (1-2), Arslan (2); Löw (3).