TSG-Basketball

"Ich kann in der besten Liga spielen"

Bergedorf. Eng beieinander liegen die Zimmer im Haus am Sander Damm. An der Tür von Appartement 27 ist mit Kugelschreiber der Bewohner vermerkt: Jermaine Calvin. Auch in der Ein-Zimmer-Wohnung mangelt es an Platz.

Auf einem Hocker im Schlaf- und Wohnbereich steht eine silberne Mikrowelle, auf ihr die immer volle Kaffeemaschine. "Ich bin ein Kaffeejunkie", sagt Calvin, als er seine Tasse bis zum Rand füllt. Der US-Amerikaner ist Basketballer, spielt für die TSG Bergedorf und möchte in die deutsche Profiliga. Seit vier Monaten lebt der 27-Jährige in Hamburg. "Ich wusste nichts über Deutschland, nicht mal wie die Flagge aussieht. Am Anfang war das schon ein richtiger Kulturschock. Die Sprache, das Essen, alles ist anders", sagt er. In den ersten Tagen war das Heimweh daher groß, mittlerweile fühlt er sich aber wohl. Auch mit dem Essen hat sich der Liebhaber mexikanischer Küche angefreundet: "Ich mag Schnitzel, Wurst und Döner."

Doch wie kommt ein US-Amerikaner überhaupt in eine Stadt, von der er zuvor noch nie gehört hatte? Auf einem College im Bundesstaat Arizona lernte Calvin seine jetzige Freundin Tine kennen. Die aus dem nordrhein-westfälischen Hamm stammende Deutsche wollte nach dem Abschluss zurück in ihre Heimat, um zu studieren. Calvin ging mit und landete wegen eines Basketballcamps in Bonn, wo er den Kontakt zu Bernardo Velarde herstellte. Der Basketballtrainer lotste ihn zur TSG. Über seinen Coach sagt Calvin: "Wir haben uns gleich gut verstanden. Und ich bin ihm sehr dankbar für die Chance, bei der TSG spielen zu dürfen."

In den USA hatte Calvin einen Vertrag für die Ausbildungsliga der NBA, der D-League, unterzeichnet, kam aber nicht ein einziges Mal zum Einsatz. Jetzt will er mit Bergedorf Aufsehen erregen und so den Sprung in die deutsche Profiliga schaffen. Dass er das Potenzial dazu hat, darüber sind sich alle einig. "Ich kann in der besten Liga spielen", ist Calvin von seiner Qualität überzeugt. Doch er weiß auch: "Geredet wird viel, aber nur gute Leistungen zählen."

In den ersten beiden Partien der 2. Regionalliga deutete er schon an, wie wertvoll er für das Team von Velarde sein kann. Doch noch nicht alles funktioniert reibungslos. Besonders mit Lokalmatador Lazar Georgiev kam es zu Spannungen. "Das ist Basketball. Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Ich habe großen Respekt für Lazar. Ob ich in diesem Alter noch laufen kann, weiß ich nicht", lacht Calvin. Um sich in Zukunft besser integrieren zu können, arbeitet er an seinem Deutsch. "Ich möchte die Sprache unbedingt lernen", sagt der 1,79 Meter große Point Guard (Spielmacher). Obwohl seine Lehrer bisher das Fernsehen, seine Freundin und seine Teamkameraden sind, wird es von Tag zu Tag besser. Auf dem Feld sind schon vereinzelt Anweisungen auf Deutsch zu vernehmen.

Bergedorf als Karriere-Sprungbrett? Der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt glaubt nicht daran, dass Calvin über die Saison hinaus in der Stadt zu halten sein wird. Er selbst hält sich hingegen bedeckt: "Das ist eine Sache, über die ich mir jetzt noch keine Gedanken mache. Ich möchte mit meinem Team Spiele gewinnen. Das ist das Wichtigste." Die nächste Chance dazu gibt es am Sonntag gegen den BC Hamburg (16 Uhr, Sporthalle Fährbuernfleet).

"Ich mag Schnitzel, Wurst und Döner."

Jermaine Calvin über das Leben in Deutschland