Sperre

So lief die Verhandlung vor dem Verbandsgericht

Hamburg (mak). Knappe zwei Stunden dauerte die Verhandlung vor dem Verbandsgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV), dann teilte der Vorsitzende Thomas Zeißig den Beteiligten am späten Donnerstagabend die Entscheidung mit: Die Berufung des GSK Bergedorf ist zurückgewiesen.

Der Landesligist bleibt damit gemäß dem Urteil des Sportgerichts vom 18. September bis zum 30. Juni 2013 vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Die tätlichen und verbalen Angriffe gegenüber dem Schiedsrichtergespann bei der Pokalbegegnung gegen den SC Concordia am 14. August hätten kein anderes Urteil zugelassen, so das Gericht. "Mit diesem Urteil soll nachhaltig und präventiv auf den Verein eingewirkt werden", erklärte Zeißig.

"Mit diesem Urteil bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte Thomas Hansen-Siedler, der Anwalt des GSK Bergedorf. Er sah den Verhältnismäßigskeitsgrundsatz verletzt, da es im Hamburger Fußball schon wesentlich schwerwiegendere Vergehen gegeben habe. Das Gericht verwies jedoch auf die zahlreichen Verfehlungen des GSK Bergedorf in den Jahren 2005 bis 2012: Einsatz nicht spielberechtigter Spieler, Schläge gegen einen Zuschauer, Disziplinlosigkeiten von Fußballern. "Jedes Mal beteuerten die Verantwortlichen des GSK, wir würden uns nie wieder sehen", erinnerte Zeißig.

Hansen-Siedler hatte zuvor in einem ausgereiften Berufungsplan versucht, das Bild vom Skandalverein zu zerstreuen. So spannte er den anwesenden Vorsitzenden des Verbands-Schiedsrichterausschusses (VSA), Wilfred Diekert, ein, um vom vergangenen GSK-Heimspiel gegen Vorwärts-Wacker Billstedt (2:1) zu berichten, dem dieser beigewohnt hatte. "Ich habe selten so ein friedliches Spiel gesehen", sagte der VSA-Vorsitzende, jedoch nicht ohne anzumerken, dass diese positive Entwicklung nur kurzzeitig sei und seine Schiedsrichter weiterhin katastrophale Zustände am Platz des GSK vorfinden würden. Der VSA hatte nach den Vorfällen beim Pokalspiel gegen den SC Concordia sogar einen zeitlich unbefristeten Ausschluss des GSK aus dem HFV gefordert, war damit aber vor dem Sportgericht gescheitert. Das Verbandsgericht wies nun die Berufung des VSA gegen dieses Urteil ab. Der GSK Bergedorf darf also im Sommer 2013 in den Spielbetrieb des HFV zurückkehren.

Der GSK-Anwalt verwies darauf, dass die präventive Funktion einer Sperre für den GSK gar nicht notwendig sei, da sich die Situation schon fundamental geändert habe. "Die Verantwortlich sind bestraft und nicht mehr im Verein", merkte Hansen-Siedler an. Darüber hinaus monierte er, dass zwischen der Satzung des HFV und der Rechts- und Verfassungsordnung juristisch gravierende Unterschiede bestünden, die eine Rechtsprechung gar nicht möglich machten.

In einem zehnminütigen Rechtsgespräch unter vier Augen machte Hansen-Siedler dem Vorsitzenden Zeißig eine Bewährungsstrafe für den GSK schmackhaft, doch dies fand anschließend bei Gericht nicht genug Fürsprecher. Sekunden nach dem Urteilsspruch kündigte der GSK-Anwalt an, dass neben einem Gnadengesuch an das HFV-Präsidium der Weg vor das Landgericht angestrebt wird. "Darauf warte ich schon lange", freute sich Hansen-Siedler, "entweder liege ich völlig falsch oder der HFV."