Ausprobiert

"Nach den ersten Treffern fühlte ich mich wie ein Ass"

Der Puls steigt. Der rote Punkt, der anzeigt, wo ich hinziele, wackelt unruhig hin und her. Fünfmal muss ich das mit grauem Metall umrandete schwarze Loch treffen. Die Anzeige leuchtet rot auf, als ich das erste Mal abdrücke. Ich senke die Pistole, die ich mit beiden Hände umklammere, lade mithilfe des schwarzen Hebels nach und setze wieder an. 70 Sekunden habe ich Zeit, um besser zu sein als meine Kontrahenten. Ich treffe wieder nicht. Erst beim dritten Versuch klappt es. Nach knapp 50 Sekunden leuchten fünf grüne Lämpchen auf der digitalen Anzeige, ich lege die Pistole ab und sprinte aus der Halle.

Laufen und Schießen, die Kombination dieser beiden Teildisziplinen hat den Modernen Fünfkampf als olympische Disziplin gerettet. Denn schon zweimal stand der Wettbewerb, bestehend aus Degenfechten, Schwimmen, Springreiten, Pistolenschießen und Laufen, auf der Kippe. Zu langweilig, nicht massentauglich und somit nicht für das Fernsehen geeignet, sei der Pentathlon. Bei den Olympischen Spielen in London wurde zum ersten Mal der sogenannte "Combined"-Wettkampf ausgetragen und das mit einer positiven Resonanz. Ebenfalls neu in London: Statt mit Luft- wird seit 2010 mit modernen Laserpistolen geschossen.

Eine dieser neuartigen Schießanlagen steht im Keller von Karsten Hofmann. Der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Landesverbandes für Modernen Fünfkampf lässt die Anlage je nach Bedarf aufbauen, diesmal in der Regionalschule Wentorf. Seine Fünfkämpfer des SC Wentorf - Hofmann ist dort Trainer - laden ein zur Familienstaffel. "Wir wollen den Eltern die Sportart ihrer Kinder näher bringen", sagt er.

Das ist gar nicht so leicht, wie die erste Disziplin des Tages zeigt: Fechten. Weder einen Schutzhelm, noch einen Fechtanzug trage ich, als ich den Degen in die Hand nehme. Muss ich auch nicht, denn meine Gegner sind ein Seil und die Person neben mir. Wer zuerst sein vor sich hängendes Seil mit dem Degen trifft, hat gewonnen. Meine Teamkameraden Mathis Dominik (11), Laurenz Pape (9) und Aileen Schwerin (13) geben mir Tipps. "So musst du es machen", sagt Aileen zu mir, als sie ihren linken Fuß im 90-Grad-Winkel zum rechten stellt. "Den Arm durchstrecken", ergänzt Mathis. Fechtstellung nennt sich das. Ich treffe ein paar Mal und fühle mich wie ein Ass.

Moderner Fünfkampf - der antike Fünfkampf bestand aus Weitsprung aus dem Stand, Diskuswurf, Speerwerfen, Stadionlauf und Ringkampf - ist den Erlebnissen eines Meldereiters nachempfunden, dessen Pferd getötet wird und der sich in feindlichem Gebiet schießend, fechtend, schwimmend und laufend durchschlagen muss. Pierre de Coubertin, der Begründer des Internationalen Olympischen Komitees, hat damit einen Wettbewerb entworfen, der neben Ausdauer und Kraft auch Geschicklichkeit und Konzentration verlangt.

Unsere Staffel bleibt nach der familienfreundlichen 400-Meter-Strecke - normal sind dreimal 1000 Meter - als Dritter unter vier Teams ihrem Namen "Lucky Loser" treu. Aber immerhin: Fechten und Schießen kann ich jetzt schon mal. Das ist doch was!