Paralympics

Die Goldträume der Edina Müller

Bergedorf. Wenn die Enttäuschung groß ist, dann beginnt der Zweifel zu nagen. Lohnen sich das Training, der Aufwand und die ganzen Entbehrungen überhaupt noch? Die meisten Sportler und Sportlerinnen stehen irgendwann in ihrer Karriere an so einem Punkt.

Für die Rollstuhlbasketballerin Edina Müller kam dieser Moment ausgerechnet nach einem ihrer größten Erfolge: dem Gewinn der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 2010 in Birmingham.

25 Sekunden vor der Schlusssirene führte das Frauenteam des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands mit 53:52. Doch dann zerstörte ein "Dreier" alle Titelträume. "Da habe ich überlegt aufzuhören", erinnert sich die Neu-Lohbrüggerin Müller. Hat sie aber nicht. Ab heute unternimmt die 29-Jährige einen neuen Anlauf mit dem Nationalteam, damit die Goldträume doch noch wahr werden. Bei den Paralympics in London steht um 13 Uhr Ortszeit das erste Spiel auf dem Programm. Gegner sind wieder die USA.

Die Folgen eines Sportunfalls zwingen die damals 16-Jährige 2000 in den Rollstuhl. Drei Jahre später beginnt Müller, Tennis und Basketball zu spielen. Beides mit Erfolg. 2005 gewinnt sie die "Hungarian-Open", entscheidet sich dann aber für den Mannschaftssport und schafft den Sprung in die Bundesliga. "Allein zu trainieren, bringt nicht so viel Spaß", erklärt die gebürtige Brühlerin.

Es folgt eine Einladung von Bundestrainer Holger Glinicki zu einem Nationalmannschafts-Lehrgang. Doch sie will noch mehr, geht 2006 in an die "University of Illinois". Rollstuhlbasketball hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert. Die großen Universitäten beschäftigen sogar hauptamtliche Trainer. "Das war eine tolle Zeit. Aber sehr anstrengend. Aufstehen 5.30 Uhr, Training 6 Uhr", berichtet Müller. Sie macht in den USA ihren Bachelor und kehrt in den Ferien zur Nationalmannschaft zurück. Nach ihrer Rückkehr studiert sie in Köln und ist nun Heil- und Rehabilitationspädagogin.

Weil die Trainingsmöglichkeiten in Hamburg besser sind, zieht Müller 2011 in die Hansestadt und spielt für den HSV. Mittlerweile lebt sie in Lohbrügge. Wieder ist sie dem Ruf von Glinicki gefolgt, der Bergedorfer ist. Die Geschäftsstelle vom HSV-Rollstuhlsport ist hier. "Zudem erinnert mich Bergedorf an Brühl. Es ist ein bisschen wie zu Hause", sagt Müller.

Doch jetzt freut sich die Aufbauspielerin erst einmal darauf, dass es heute bei den Paralympics für sie losgeht. Der Favoritenkreis ist seit 2008, als die Deutschen mit Müller das Finale gegen die USA mit 38:50 deutlich verloren, größer geworden. Neben den beiden genannten Teams zählt sie Australien, Holland und Großbritannien dazu. Doch vielleicht klappt es dennoch mit Gold. Und dann haben sich das Training, der Aufwand und die ganzen Entbehrungen gelohnt.