Oberliga

Mit ganz viel Gefühl zum Siegtreffer

Curslack. Torsten Henke schrie sich die Kehle aus dem Hals. "Jan, Jan, schieß Du!", brüllte der Trainer des Fußball-Oberligisten SV Curslack-Neuengamme in der 67. Minute des Duells mit Altona 93 mehrmals auf den Platz.

Doch sein Angreifer Jan Landau machte zunächst keine Anstalten, den Freistoß auszuführen. Beinahe teilnahmslos stand der 23-Jährige vor dem runden Leder, während neben ihm Sven Möller und Marco Theetz etwas auszuhecken schienen. Weder für Henke noch AFC-Keeper Marcel Kindler war zu erkennen, wer denn nun den Standard treten würde.

Umso größer war die Überraschung, als Landau einen Schritt anlief und die Kugel mit ganz viel Gefühl ins linke obere Eck streichelte. Das Traumtor zum 2:1-Endstand bescherte den Vierländern den dritten Sieg in Folge und ließ den Kunstschützen, der zuvor bereits den Ausgleich erzielt hatte, zu einem gefeierten Helden werden. "Jan Landau - Fußballgott", sangen einige jugendliche SVCN-Fans. "Den kann man gebrauchen", stellte Curslacks Manager Jens Seddig wesentlich nüchterner fest.

Vor dem großen Auftritt des Neuzugangs von Bergedorf 85 standen 45 Minuten, in denen die Hausherren auf ganzer Linie enttäuscht hatten. "Wir haben in der ersten Halbzeit nicht stattgefunden", analysierte Henke. Seine Elf bekam keinen Zugriff auf das Spiel. Altonas Pausenführung war verdient, resultierte jedoch aus einem irregulären Tor: Bevor Sezgin Akgül den Ball über die Linie drücken konnte (16.), war eine Flanke von Stefan Winkel im Toraus gewesen.

Henke reagierte, stellte Rinik Carolus von der "Sechser"-Position auf die linke Seite und Theetz in die Mitte. Und der Trainer wechselte den angeschlagenen Landau (Kapseleinriss und Meniskusquetschung) für den verletzten Marcel von Hacht ein. So richtig rund lief der neue Angreifer nicht, aber er war sofort hellwach. Nach einem Zuckerpass von Theetz in die Tiefe überwand der Joker Keeper Kindler per feinem Lupfer (51.). Nun spielte nur noch der SVCN und wurde durch Landaus zweiten Geniestreich für seinen Aufwand belohnt.

Dem überschwänglichen Jubel folgte beinahe großer Vierländer Frust, als Referee Murat Yilmaz nach einem ungelenken Einsteigen von Sven Möller gegen Andreas Kappler auf den ominösen Punkt zeigte. Weil Winkel den Strafstoß jedoch verschoss (76.), blieb es bei den Lobgesängen für Landau, der nur dank pharmazeutischer Hilfe auflaufen konnte. "Ich bin froh, dass es mit dem Knie geklappt hat. Ich habe ein paar Schmerztabletten eingeworfen und dann war alles super", sagte der 23-Jährige.

SVCN: Böse (3); Wulff (4), Blättermann (2), M. Barlak (3-4), Sander (3); Carolus (2-3), Zöpfgen (2-3), Möller (4), Theetz (3-4); Von Hacht (4) ab 46. Landau (1), Eggert (3-4) ab 70. Ackermann (-).