Rollstuhlbasketball

Mit Herz und Seele

Aumühle Peter Richarz sitzt in seinem Büro im Boberger Unfallkrankenhaus und blickt auf die Bilder, die an den Wänden hängen. Die jubelnden Gesichter darauf dokumentieren die erfolgreiche Trainerkarriere des gebürtigen Dortmunders.

"Obwohl wir bei Olympia 2008 mit der Frauen-Nationalmannschaft Silber gewannen, waren wir mit den USA auf Augenhöhe", erinnert sich der in Aumühle lebende Sportlehrer. Vor kurzem kam der nächste Erfolg hinzu: Mit der deutschen U22-Auswahl gewann Richarz im englischen Stoke Mandeville die Europameisterschaft.

Mit Herz und Seele arbeitet Richarz aber nicht nur mit, sondern auch für die "Rollis", wie er sie liebevoll nennt. Wenn der 51-Jährige nicht seinem Hobby nachgeht, ruft der Diplom-Sportlehrer und studierte Sonderpädagoge innovative Projekte für Menschen mit Rollstuhl ins Leben. Eines, auf das er besonders stolz ist, liegt unauffällig in seinem Büro. Auf den ersten Blick ist es bloß ein schwarzer Rucksack. Tatsächlich handelt sich um ein Starter-Kit, das sich mittlerweile in ganz Deutschland etabliert hat. Jeder Rollstuhlfahrer bekommt es, wenn er das Krankenhaus verlässt. Der Rucksack enthält Informationen, um den Betroffenen den oftmals neuen Alltag zu erleichtern.

Mittlerweile aber stößt Richarz an seine Belastungsgrenze. Die Weltmeisterschaft im kommende Jahr in der Türkei will er noch mitmachen, dann soll eine Pause folgen. "Ein Viertel des Jahres schlafe ich im Hotel", verrät Richarz, dem übrigens noch ein WM-Sieg in seiner Sammlung fehlt.

Bis dahin bleibt der BVB-Fan aber auf intensiver Suche nach neuen Ideen, die ihm und seiner Mannschaft weiterhelfen. "Vielleicht rufe ich mal den Jürgen Klopp an", sagt er und lacht. Das ist ihm durchaus zuzutrauen. Wie im Jahr 1995, als die Amerikaner ihren Kader für die Paralympics in Atlanta zusammenstellten. Der 51-Jährige schrieb den Verband an, weil er hospitieren wollte. Mit Erfolg. "Ich war mit einem Italiener der einzige Europäer dort", sagt Richarz. Die Erfahrungen halfen: Sechsmal in Folge wurde er anschließend mit den Frauen des RSC Hamburg deutscher Meister.

Härtetests halfen auch bei der EM in Großbritannen. Als die U22 vor dem Turnier ein Trainingslager absolvierte, spielte sie viermal gegen die A-Auswahl Südafrikas und kassierte nur Pleiten. Doch die Erfahrung war Gold wert. "Die Mannschaft ist im Turnier auch in Rückstand ruhig geblieben", bemerkt Richarz. Beim 62:53-Finalerfolg gegen Schweden hatten die Skandinavier im dritten Viertel schon mit fünf Zählern in Front gelegen. Doch das deutsche Team drehte die Partie, ließ in den letzten sechs Minuten nur noch einen Korb zu.