FC Bergedorf 85

"Elstern": Neustart nach Chaos-Saison

Bergedorf. Jeder, der mit einem Computer arbeitet, kennt das Problem. Auf einmal geht nichts mehr. Egal, wie doll ich auf die Tasten einhacke, der Bildschirm zeigt keine Regung und lässt sich auch durch Beschwörungen nicht erweichen.

Jetzt hilft nur noch eins: die Reset-Taste drücken - Neustart. In einer ähnlichen Situation sahen sich auch Olaf Poschmann und Florian Menger zu Beginn der Sommerpause. Der Trainer und der Sportliche Leiter des Fußball-Oberligisten Bergedorf 85 mussten deutliche Etatkürzungen hinnehmen, in deren Folge sechs Stammspieler - Martin Sobczyk (Victoria), Oliver Ioannou (Lüneburg), Michael Meyer (Oststeinbek), Jan Landau (Curslack-Neuengamme), Philip Pettersson und Sascha de la Cuesta (beide Dassendorf) - den "Elstern" den Rücken kehrten. Angst und Bange vor der neuen Saison ist Poschmann und Menger dennoch nicht.

"Bei uns ist zu viel Geld geflossen", stellt Poschmann fest. Zwar beklagt der "85"-Coach den sportlichen Verlust der Leistungsträger, um aber gleich hinzuzufügen: "Menschlich gesehen ist das eine andere Frage." Im Gespräch mit dem sportlichen Führungsduo wird schnell deutlich, dass die beiden den Schnitt, der gemacht werden musste, als eine Art reinigendes Gewitter sehen. "Es war eine Chaos-Saison", sagt Poschmann trotz der Vizemeisterschaft. "Aber wir haben damit abgeschlossen."

Die verbliebenen Stammspieler sollen das Grundgerüst der "Elstern" 2012/13 bilden, als da wären Roman Schmer, Andreas Metzler, Ishmael Brown, Alexey Bugrov, Christopher Mahrt und Yayar Kunath. Um den neuen Kader auf den Weg zu bringen, hat das Duo Poschmann/Menger in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben 40 bis 50 Gespräche geführt. "Ich hätte mir meine Pause anders vorstellen können", sagt Poschmann, "doch es macht auch Spaß."

Dass "85" auf der Suche nach Neuzugängen auf klangvolle Namen verzichten musste und hauptsächlich bei Oberliga-Absteigern fündig wurde - Christoph Werth, Christian Meier und Christian König kommen vom Oststeinbeker SV, Denis Urdin von Vorwärts-Wacker -, sieht Poschmann nicht als Problem an. "Sie passen vom Typ her", sagte der 44-Jährige und nennt drei Dinge, die ihm wichtig sind: "Harmonie, Wir-Gefühl und Disziplin."

Das klingt zwar sehr altbacken, doch darf dabei nicht vergessen werden, dass Poschmann erst nach dem sechsten Spieltag der vergangenen Saison Trainer an den Sander Tannen wurde. Die Mannschaft, die er anschließend trainierte, hatten andere zusammengestellt.

Mit einer Topplatzierung ist 2012/13 nicht unbedingt zu rechen. Doch Sorgen macht sich der "Elstern"-Coach nicht. "Uns wird es nicht so wie Sasel ergehen", ist er sich sicher. Zwei Spielern wird in der neuen Spielzeit eine besondere Rolle zukommen. Zum einen ist das Roman Schmer, den Menger schon in der abgelaufenen Saison als heimlichen Boss bezeichnete. Der defensive Mittelfeldspieler war es auch, der zuerst zusagte. Zum anderen ist das Christopher Mahrt, der die Rolle von Sascha de la Cuesta als Spielgestalter übernehmen soll.

Die Taste für den Neustart haben Poschmann und Menger gedrückt. Ob dieser erfolgreich sein wird, dürfte sich schon nach wenigen Spielen zeigen.