Fußball

So lange der Körper mitmacht

Lohbrügge (ols). Zwischen den Bäumen blitzen Leibchen hervor, vereinzelt sind Rufe zu hören. Doch Schüler sind es nicht, die sich auf dem Grandplatz der Grundschule Leuschnerstraße versammelt haben.

Eine graue Treppe führt auf das Spielfeld. Herbert Schubert ist als Erster zu sehen. Der 69-Jährige steht hinter zwei orangefarbenen Hütchen, die mit schweren Tüten behangen sind, damit sie nicht umfallen.

Gegenüber befindet sich noch so ein Tor. Dazwischen jagen 13 Spieler einem Ball hinterher. Schubert muss wegen einer Knieverletzung passen. Trotzdem schaut er seinen Mannschaftskameraden, die fast alle zum VfL Lohbrügge gehören, interessiert zu. Seit 50 Jahren ist er nun Mitglied im Verein. Wie Hermann Peitzner (69), der gerade auf dem Feld mitmischt, und Rolf Schulz (74), der wegen Magenbeschwerden zu Hause geblieben ist. Ihr Klub, finden die drei, lässt sie jedoch schon seit Längerem im Stich.

"Seit dem 1. Juli bin ich Ehrenmitglied und damit beitragsfrei. Den ,heiligen Rasen'", erklärt Peitzner und zeigt in Richtung Sportplatz am Binnenfeldredder, "dürfen wir aber schon lange nicht mehr betreten." Die Senioren-Kicker fühlen sich aufs Abstellgleis geschoben. Die Kabine am Ausweichplatz ist marode, an den Duschen fehlen zum Teil die Griffe. "Ab und zu ist das Wasser kalt. Dazu stehst du schnell knöcheltief im Wasser, weil alles verstopft ist", verrät Peitzner enttäuscht.

Trotzdem macht die Gruppe das Beste aus der Situation. Zwischen 55 und 74 Jahre sind die Kicker alt, einige mischen noch im Ligabetrieb mit. Andere, wie die drei Jubilare, spielen aus Spaß an der Freude. Dazu werden gemeinsame Skatabende veranstaltet, Ende Juni hat Peitzner zur Gartenparty geladen. Die Kicker haben sich im Laufe ihrer Karriere gefunden. Schubert hat mit 13 Jahren sogar mal das Trikot von Bergedorf 85 getragen. Doch seitdem er 19 ist, spielt er beim VfL.

Er kramt ein Bild hervor, es stammt aus dem Jahr 1967. Es ist ein Mannschaftsfoto, das bei einem Turnier in Ochsenwerder entstanden ist. Auch Peitzner ist darauf zu sehen. "Das war kurz vor meiner Hochzeit. Schau mal, wie glücklich ich da noch geguckt habe", kommentiert dieser. Doch glücklich ist er auch heute noch. Leidenschaftlich rennt er auch mit fast 70 Jahren dem Ball hinterher. 90 Minuten lang spielt die Gruppe, ohne Pause. "Die gibt es danach beim Bier", sagt Schubert.

Die Liebe zum Fußball verbindet sie alle. Dass sie ihr VfL Lohbrügge verstoßen hat, ist Peitzner und Schubert zwar ein Rätsel, doch ein Vereinswechsel wird nicht mehr ins Auge gefasst. "Was sollen wir mit 70 noch bei einem anderen Klub?", fragt Schubert. Also geht es weiter. So lange der Körper mitmacht. Ans Karriereende denkt jedenfalls noch keiner der Senioren. "Wir spielen seit Jahrzehnten Fußball. Damit einfach aufzuhören, wäre nicht schön", schließt Schubert.

"Den ,heiligen Rasen' am Binnenfeldredder dürfen wir schon lange nicht mehr betreten."

Hermann Peitzner, Ehrenmitglied beim VfL Lohbrügge