4. Geesthachter Boxgala

Olympia-Hoffnung zeigt ihr Können

Geesthacht. Über 140 Kilogramm wog Michael Herner, als er sich entschied, es beim VfL Geesthacht mit dem Boxen zu probieren. Das fordernde Training verfehlte seine Wirkung nicht. Herner wurde mit jeder Einheit fitter, nahm im Laufe der Zeit über 30 Kilogramm ab und kurierte so ganz nebenbei die Folgen eines Bandscheiben-Vorfalls aus.

Boxen, jene Sportart, die viele nur mit Blut und Beulen in Verbindung bringen, kann also auch eine gesundheitliche Therapie sein, gewissermaßen eine mit "durchschlagendem" Erfolg.

Am Sonnabend wird sich der 23-Jährige nun in das Abenteuer seines ersten Kampfes stürzen. Bei der 4. Geesthachter Boxgala im Autohaus Brinkmann Bleimann (Steinstraße 80) trifft er auf Temur Magmadov von Telekom Lübeck. Doch ganz egal, wie dieses Schwergewichts-Duell auch ausgehen wird: Ein Gewinner ist Herner auf jeden Fall. "Er ist die Art Sportler, die man förmlich aus der Trainingshalle prügeln muss", sagt Organisator Karsten Renner begeistert, "er lebt für das Boxen."

Herner steht stellvertretend für den Aufschwung, den die Geesthachter Boxsparte genommen hat. "Wir haben mittlerweile 13 fertige Boxer", betont Renner. Sechs davon - neben Herner auch noch Marco Jarms, Yevgeniy Martynovych, Dimitri Tichinow, Vasilij Dik und Alex Kurnosenkow - werden am Sonnabend zu sehen sein, wenn ab 18 Uhr die Kämpfe beginnen. Alle sechs bekommen es mit Gegnern aus Hamburg und Schleswig-Holstein zu tun.

Im Mittelpunkt des Abends steht jedoch ein sportlicher Vergleich der besten Faustkämpfer Hessens mit jenen aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Den Hauptkampf bestreiten zwei "alte Hasen". Sebastiano Lo Zito vom Hamburger Verein "Nordschmiede" und sein Gegner Abdeliah El Karaouia (Eintracht Frankfurt) haben mit wechselndem Erfolg jeder schon rund 40 Kämpfe absolviert.

Besonders reizvoll dürfte der Hauptkampf der Frauen werden. Die in der Hansestadt konkurrenzlose Maria Hamel (Agon Hamburg) trifft auf die deutsche Meisterin des Jahres 2010, Sarah Bormann. Die Athletin von der LG Hanau scheint sich ihrer Sache recht sicher zu sein, denn sie hat sich ein Mammutprogramm aufgebürdet. Nachdem sie am Sonnabendabend gegen Hamel gekämpft hat, geht es sofort weiter nach Berlin, wo am Sonntagmorgen bereits das Wiegen ihren nächsten Fight ansteht. Nach dem Kampf ist also vor dem Kampf. "Das ist natürlich ganz schön gewagt. Was macht sie, wenn sie in Geesthacht k. o. geht", fragt Renner. Von den Qualitäten der 22-Jährigen ist er trotzdem überzeugt: "Sie ist schließlich eine heiße Kandidatin für die Olympischen Sommerspiele 2016."

Während die Kämpfer also noch darauf warten, ihre Handschuhe zu schnüren, ist ein anderes Duell bereits entschieden: das im politischen Schattenboxen. Als Gast der Veranstaltung ist der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner avisiert. Anders als ursprünglich angekündigt, soll er nun jedoch mit Rücksicht auf den laufenden Wahlkampf nicht den Boxabend eröffnen dürfen. Dagegen hatte sich der CDU-Ortsvorsitzende Sven Minge in einem offenen Brief verwahrt, in dem er gleichzeitig seine Teilnahme absagte. Eine "rechte Gerade" sozusagen gegen SPD und Veranstalter. Bleibt abzuwarten, wer dann am Wahlabend angezählt werden muss.