Abwehrschlacht

Dummes Gesabbel gehört dazu

Oststeinbek (hbo). Die zweite Hälfte des Oberligaspiels zwischen den Fußballern des Oststeinbeker SV und Eintracht Norderstedt hatte gerade begonnen, da ist Dalli Schmidts Dienst beendet.

"Mal schauen, wie viele Zuschauer heute gekommen sind", sagt der Kassierer und fügt leicht enttäuscht hinzu: "Im Durchschnitt sind es 110". Dann betritt ein betagter Mann mit einem Dackel die Anlage. "Du kannst den Hund mal loslassen, der soll den Torwart ärgern", scherzt Schmidt. Es steht zu diesem Zeitpunkt nicht gut um seine OSV-Kicker. Sie hätten 3:0 führen müssen, haben aber just das 1:1 hinnehmen müssen (54.). "Wir müssen ja zu allen Tricks greifen", seufzt der Ticketverkäufer. Der Plan mit dem Vierbeiner missrät. Der Dackel hat anderes im Sinn. Dafür zeigen die Hausherren anschließend den von Schmidt geforderten Biss und zwingen die favorisierten Garstedter am Ende mit 2:1 in die Knie.

"Oh, wie ist das schön", singen nach 95 spannenden Minuten einige der 117 zahlenden Schaulustigen. Hinter ihnen liegt eine Partie, in der Oststeinbek etwa 40 Prozent Ballbesitz hatte. Gefühlt waren es viel weniger. Doch wenn die Spieler von Coach Stefan Kohfahl die Kugel am Fuß hatten, machten sie kluge Dinge, während der Gast über die gesamte Distanz ein stereotypes Programm abspulte.

Bereits in Durchgang eins hätte zuvor der achtmal sieglose OSV für die Entscheidung sorgen können. Doch Christian Meier (7.), Seyhmus Atug (32.) und Alexander Pohlmann (42.) ließen beste Chancen aus. Dass die Hausherren zur Pause führten, lag an einem Freistoß von Fatih Okur, der den Ball über die Mauer streichelte (38.).

Aus spitzem Winkel gelang Gäste-Akteur Philipp Koch ebenfalls per Freistoß das 1:1 (54.). Doch der OSV bewies Moral. Der eingewechselte Lamin Jawla flankte auf seinen im Abseits stehenden Busenfreund Pohlmann, der per Kopf und Schulter das 2:1 markierte (57.). "Petra, du hast den Schiedsrichtern ja Kuchen hingestellt. Dann können sie ja auch mal ein Auge zudrücken", sagte Schmidt zu seiner Frau.

Der Rest war eine Oststeinbeker Abwehrschlacht, die ab der 66. Minute ohne Gideon Knüppe stattfand. Der Verteidiger sah die Gelb-Rote Karte. "Wenn uns der Gegner nicht schlägt, dann tun wir es selbst", befürchtete Kassierer Schmidt. Er sollte in diesem Fall falsch liegen. "Dummes Gesabbel gehört ja dazu", meinte er später. Die Replik seiner Gattin Petra ließ dann selbst ihn verstummen: "Da bist du ja Meister drin". Das schmerzte wie ein Hundebiss . . .

OSV: Werth (2-3); Atug (2), Stenzel (2), Knüppe (4), König (3); Mokaddem (2-3), Schulz (2) ab 76. Rehr (-), Sejdi (3-4) ab 50. Jawla (2), Meier (3), Okur (3) ab 63. Saglam (-); Pohlmann (3).