Vor Olympia

In den Blickpunkt geturnt

Neuallermöhe (vg). So zerbrechlich sind Olympiaträume: Vor zehn Tagen hatte die Ulmerin Regina Sergeeva im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik bei einer Übung einen Unfall und verdrehte sich das Knie.

Diagnose: Bänderriss im Knie, Pause auf unbestimmte Zeit. Ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen vom 27. Juli bis 12. August in London ist in höchstem Maße gefährdet.

So brutal ist der Sport: Das Pech der einen ist das Glück der anderen. In diesem Fall das Glück der Neuallermöherin Nicole Müller, die dadurch in der Hierarchie des Nationalteams aufgerückt ist. Geturnt wird beim Mannschaftswettbewerb in London in zwei Gruppen, die eine mit fünf Bällen, die andere mit drei Bändern und zwei Reifen. Bislang war Müller, deren Stärke ohne Frage der Umgang mit dem tückischen, weil schnell wegrollenden Gerät Ball ist, nur in der Gruppe mit den fünf Bällen eingeteilt. Nach dem Ausfall von Sergeeva wird sie diese nun auch in der Gruppe mit den Bändern und Reifen ersetzen. Aus der einstigen Ersatzturnerin Müller, die ihre Übungen wochenlang am Mattenrand, abseits der Besten, absolvieren musste, ist damit nun eine Stammkraft geworden, auf deren Schultern die deutschen Hoffnungen für London ruhen.

Wirklich angenehm ist Müller die Beförderung nicht. "Wenn Regina wieder fit wird, dann turnt sie auch", stellt die 17-Jährige klar. Doch erst einmal geht es darum, einen guten Start in die Saison zu erwischen. Von morgen an bis zum Sonntag ist das deutsche Team beim Weltcup in Pesaro an der italienischen Adriaküste am Start. Dann muss sich zeigen, ob die wenigen Tage für Müller ausgereicht haben, um die für sie neue Übung zu verinnerlichen. Ein erster großer Saisonhöhepunkt wartet dann Ende Mai mit den Europameisterschaften im russischen Nischni Nowgorod.