Kreisliga

Die Hektik einfach weggelächelt

Bergedorf. Auch wenn Meisterschaft und Abstieg so gut wie entschieden sind, ist die Fußball-Kreisliga immer für einige Kapriolen gut.

Also Vorhang auf für die Könige der Platzverweise, den besten Schiedsrichter von allen und ein Team, das umso höher verliert, je besser es besetzt ist.

Angstgegner: Spiele auf dem holprigen Rasenplatz in Lauenburg gehören nicht zu den Lieblingsaktivitäten des SV Altengamme. Das einzige ungeschlagene Team im Hamburger Herren-Leistungsfußball (17 Siege, vier Remis) hat die Hälfte seiner Unentschieden in der Elbestadt kassiert. Nach dem 0:0 gegen die Lauenburger SV gab es nun ein 3:3 beim FCL. Gefeiert wurde trotzdem: Trainer Michael Wille lud die Mannschaft zu sich nach Hause ein.

Zum Glauben gefunden: Die Osterfeiertage beflügelten die vor dem Tor sonst so zögerlichen Spieler des SV Hamwarde. Zwei Chancen, zwei Tore in der ersten Hälfte gegen die TSG Bergedorf. Unmittelbar nach der Pause traf Christian Piel dann den Pfosten. "Wenn der auch noch drin gewesen wäre, hätte ich eine Kerze angezündet", staunte Coach Henrik Voigt. Doch am Ostermontag beim 1:2 in Lauenburg war der Spuk schon wieder vorbei. Viele Chancen, null Ertrag, "alles wie gewohnt", schmunzelte Voigt. Selbst für den Ehrentreffer musste ein Elfmeter herhalten.

Ich bin dann mal weg: Wo soll das mit dem FC Lauenburg noch hinführen? Gegen Altengamme sah Hakan Karadag Gelb-Rot, in Stapelfeld flogen nun Taner Göktürk (Gelb-Rot wegen Schiedsrichterbeleidigung) und Bülent Zerik (Rot, Unsportlichkeit) vom Platz. Knallharte Reporterfrage an FCL-Coach Metin Yavuz: "Gibt es ein Disziplin-Problem?" Antwort: "Ja, aber das liegt nicht am Trainer. . ."

Charmeoffensive: Eigentlich hatte es Schiedsrichter Bubacar Djalo (Elazigspor) ja nicht gerade gut mit dem Escheburger SV gemeint. Erst verhängte er beim 2:1 gegen den DSC Hanseat einen Handelfmeter gegen die Gastgeber, dann erkannte er einen ESV-Treffer wegen Abseits nicht an. Beides "zweifelhaft", wie Escheburgs Coach Carsten Puttfarken meinte. Auf den Referee ließ er trotzdem nichts kommen: "Dem konnte man gar nicht böse sein. Immer gut drauf, immer ein Lächeln im Gesicht, nahm er die Hektik aus dem Spiel. Wenn wir jede Woche so einen guten Schiedsrichter hätten, würde Fußball noch viel mehr Spaß machen."

Elfmetertöter: Torhüter Christopher Kühl war der Held des Tages beim 2:1-Erfolg der Lauenburger SV gegen den SV Hamwarde. Der 25-Jährige, der gerade seine Ausbildung zum Techniker abschließt und daher gar nicht so viel Zeit für Fußball hat, parierte gleich zwei Elfmeter von Max Hermann und Christian Kirrbach. Pech allerdings: Kirrbachs Nachschuss war drin.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Im Winter stieß Marcel Vokuhl zum Kader der Lauenburger SV, jetzt ließ er es ordentlich krachen. Gegen Hamwarde traf er mit einem satten Schuss aus 35 Metern. Kein Wunder, bei diesen Genen. "Mit seinem Vater, Rüdiger Vokuhl, habe ich noch selbst zusammengespielt", weiß LSV-Trainer Markus Behnke zu berichten.

Schwund: Mit 29 Spielern ist Kristofer Abels, Trainer der TuS Dassendorf II, in die Saison gegangen, jetzt hat er nur noch 13 einsetzbare Akteure. Gegen Glinde halfen deswegen sechs Spieler aus der "Ersten" aus, trotzdem setzte es eine 0:4-Pleite. Mangelnde Einstellung? "Nein", widerspricht Abels, "wir haben einfach das Tor nicht getroffen."

Kampfansage: So wirklich torgefährlich ist Glindes Mittelfeldspieler Tiago da Silva (bisher drei Saisontore) ja auch nicht. Doch wenn er trifft, dann richtig. Gegen Dassendorf hämmerte er den Ball aus 20 Metern zum 4:0 in den Winkel. "Den hat er voll erwischt", freute sich Glindes Trainer Mario Scheck, der den Blick aber schnell wieder nach vorn richtete: "Wir wollen die einzige Mannschaft sein, die Altengamme schlägt."

Showdown: Denn am Sonnabend kommt es ja nun beim TSV Glinde zum großen Showdown (15 Uhr, Am Sportplatz). Mit einem Sieg hätte der SV Altengamme den Titel auch rechnerisch sicher. Für Glinde geht es im Dreikampf mit dem ETSV Hamburg und dem SC Schwarzenbek II um Relegationsplatz zwei. Daher will die Konkurrenz ein Auge riskieren. "Wir werden mit einigen Jungs nach Glinde fahren", verspricht ETSV-Trainer Karsten Weiß.