Oberliga

Nicht fair, aber clever

Curslack. Es herrschte ein einziges Gewusel im Strafraum von Germania Schnelsen. Den Eckball des SV Curslack-Neuengamme hatten die Gäste in dieser 71. Minute des Oberliga-Duells nicht klären können.

Und nun sprang das runde Leder wie ein Flipper hin und her. Mittendrin in der Spielertraube suchte Marco Theetz nach Orientierung. Der SVCN-Kapitän stand direkt vor Keeper Tobias Grubba und realisierte geistesgegenwärtig, dass es wohl am zielführendsten wäre, den Schlussmann außer Gefecht zu setzen. Also ließ sich der nicht ganz austrainiert wirkende Mittelfeldakteur plump nach hinten fallen und lag nun auf dem reklamierenden Schlussmann. Der Weg war frei für Sven Möller, der per Picke aus der Nahdistanz den 2:1-Siegtreffer für die Hausherren markieren konnte. "Schiri, wie soll ich da eingreifen?", schimpfte Grubba, während Theetz mit einem verschmitzten Lächeln Glückwünsche entgegennahm. "Ich habe ihm gesagt: ,Hau ab da, du Blinder!' Er hat es halt nicht gemacht", sagte der 30-Jährige später zu der entscheidenden Szene.

So ist er halt, dieser Luftikus mit dem ganz feinen Füßchen. Ohne Theetz hätten die Vierländer diese Partie vermutlich nicht gewonnen. Denn der Edeltechniker wusste nicht nur vor dem 2:1 unlautere Mittel gewinnbringend einzusetzen. So war der 30-Jährige der erste Curslacker, der nach gut 30 Minuten aus dem Winterschlaf erwachte. Sein Team hatte bis dato plan- und mutlos die Kugel hin- und hergeschoben und lag durch einen Treffer von Jürgen Tunjic (19.) verdient in Rückstand. Nun begann Theetz zu provozieren. Er verwickelte einige Germania-Akteure in Wortgefechte und ging zunehmend aggressiver in die Zweikämpfe. In Schnelsens Reihen machte sich Unruhe breit.

Kurz vor der Pause überschlugen sich dann die Ereignisse. Und immer im Mittelpunkt: Theetz. Zunächst traf der 30-Jährige mit seinem etwas schwächeren rechten Fuß aus 20 Metern zum 1:1. Kurz darauf provozierte er den bereits verwarnten Mustafa Günaydin verbal. Der frühere Oststeinbeker ließ sich zu einem Schubser hinreißen und sah die Gelb-Rote Karte (43.). "Zwischen der 40. und 45. Minute hat Marco seine Klasse aufblitzen lassen", meinte Coach Torsten Henke später mit einem Augenzwinkern.

Seine Elf tat sich in Überzahl allerdings lange schwer. Zu wenig wurde über die Außen gespielt, zu viel mit langen Bällen operiert. Es bedurfte der nicht lauteren Aktion von Theetz, um den gleichwertigen Gegner in die Knie zu zwingen. Sven Zöpfgen (SVCN) sah ebenfalls noch Gelb-Rot (83.). "Man kann unterschiedlicher Meinung sein, wie man die Situation beim 2:1 wertet", sagte Schnelsens Trainer Klaus Thomforde verbittert auf der Pressekonferenz. Theetz saß wenige Meter von ihm entfernt und lachte sich ins Fäustchen.

SVCN: Böse (3); Wulff (3), Blättermann (2-3), M. Barlak (4), Sander (3); Zöpfgen (3), Papke (2-3), Möller (3), Theetz (1); Reincke (3) ab 83. Otte (-), Veselinovic (4) ab 80. Örün (-).