Leichtathletik

Der schwierige Spagat der Kim Laura Thiede

Hamburg. Die Latte liegt auf 3,60 Meter. Dreimal hat die Stabhochspringerin Kim Laura Thiede von der LG Glinde diese Höhe in diesem Winter schon überwunden. Doch hier, bei den norddeutschen Meisterschaften in der Alsterdorfer Leichtathletik-Halle, sind die Verhältnisse sehr schwierig.

Links von ihr findet gerade eine Siegerehrung statt, rechts sausen die Sprinter über die Bahn. Lärm überall. Seelenruhig steht die 16-Jährige im Auge dieses Sturms. Schließlich läuft sie entschlossen an - und reißt.

Stabhochsprung ist von allen leichtathletischen Disziplinen die Schwerste. Die Aktiven benötigen Schnelligkeit, Kraft, Gewandheit und turnerisches Geschick. Doch gerade hier ist der heimische Nachwuchs stark. Von neun Finalistinnen bei der weiblichen Jugend sind mit Thiede sowie Lena Kerkloh und Jasmin Habermann (beide LG Reinbek/Ohe) drei aus dem Heimatgebiet. Für Kerkloh (5./3,30 Meter) und Habermann (8./3,10 Meter) ist der Wettkampf bereits vorbei, Thiede hätte Bronze sicher, wenn sie die 3,60 Meter schafft.

Es wäre eine von vier Medaillen für die Aktiven aus dem Bergedorfer Raum. Stefan Schwab (TSV Schwarzenbek) wurde im 60-Meter-Sprint der Männer in 6,75 Sekunden Zweiter hinter Lucas Jakubczyk (SCC Berlin, 6,72). Andreas Lange (LG Reinbek/Ohe) erwischte einen verbummelten 800-Meter-Lauf, kam in 1:54,06 Minuten auf Platz drei. Bronze gewann auch die 4x200-Meter-Staffel der LG Reinbek/Ohe in der weiblichen Jugend. Carina Hofmeister, Darlene Harder, Leonie Piehl und Chantal Dudas waren in 1:45,07 Minuten allerdings fast drei Sekunden langsamer als der Sieger SCC Berlin (1:42,47).

Die Konkurrenz aus den Sportinternaten in Berlin, Potsdam und Neubrandenburg war oft übermächtig. Natalie Piehl (LG Reinbek/Ohe) jedoch verpasste als Vierte über 200 Meter der Frauen eine Medaille nur knapp. Sandra Mäckelmann (LG Reinbek/Ohe) wurde Fünfte im Kugelstoßen (11,94 Meter) und im Hochsprung (1,62 Meter). Ihre Vereinskameradin Leonie Piehl belegte mit 1,61 Metern im Hochsprung der weiblichen Jugend ebenfalls Rang fünf. "Für Mehrkämpferinnen wie Sandra oder Leonie sind das sehr gute Ergebnisse", betonte Patrick Wienecke, Trainer der LG Reinbek/Ohe.

Vielseitig ist auch Kim Laura Thiede. Die 800 Meter läuft sie in 2:15 Minuten, die 400 Hürden in 62 Sekunden - tolle Zeiten für eine 16-Jährige. Doch ihre Passion ist das Stabhochspringen. "Das ist wie Fliegen", schwärmt sie. Das Problem: Die Disziplinen passen nicht recht zusammen. "Beim 800-Meter-Lauf muss man lange Schritte machen, beim Stabhochsprung kurze", ist sich Thiede bewusst, "aber ich mag halt beides." Ein schwieriger Spagat.

Der erste Fehlversuch ist schnell abgehakt. "Das war alles genau richtig so. Nimm einfach einen härterem Stab", muntert sie Landestrainerin Sabine Schulte auf. Und tatsächlich: Beim nächsten Versuch katapultiert sich Thiede mühelos über die 3,60 Meter, wird Dritte hinter der deutschen Jugendmeisterin Anjuli Knäcke (4,00/SG TSV Kronshagen/Kieler TB) und Luisa Hellriegel (3,80/Schweriner SC). In zwei Wochen geht es nun zu den deutschen Meisterschaften nach Sindelfingen.

"Stabhochspringen ist wie Fliegen."

Kim Laura Thiede, Leichtathletin der LG Glinde