Vor 15 Jahren

Wer andern eine Grube gräbt: Der Fall "Marco Sorge"

Hamwarde (dsc). Die Winterpause war zum Jahreswechsel 1996/97 bei den Fußballern des SV Hamwarde besonders trist. Nach wochenlangen Turbulenzen ging auch noch Trainer Thomas Schumacher.

Es war der vorletzte Akt in einer beispiellosen Posse, an deren Ende die Fußballer des Vereins sportlich vor den Trümmern standen. Ausgelöst hatte dieses Durcheinander ein Mann: Marco Sorge.

Der Fall "Marco Sorge" war der größte Aufreger im Heimatgebiet vor 15 Jahren. Es ging um einen gefälschten Pass, abgezogene Punkte, kurzum den Untergang des SV Hamwarde. Wir rollen die Geschichte noch einmal auf.

Begonnen hatte alles mit einem Bier und einer Selter, die SVH-Trainer Schumacher und Hans-Otto Henke, der damalige Betreuer des SV Curslack-Neuengamme und Vater des heutigen Trainers Torsten Henke, nach der Bezirksliga-Partie in Curslack (1:1, Sorge traf für den SVH) gemeinsam tranken. So schiedlich-friedlich sollte es nicht bleiben.

Weil der SVCN vergessen hatte, einen Akteur (Kim Brantin) auf dem Spielbericht einzutragen, legten die Hamwarder Protest ein. Mit den Punkten am Grünen Tisch zog der SVH kurzzeitig an den zweitplatzierten Curslackern vorbei. Allerdings weckten sie mit dem Einspruch schlafende Hunde. Denn Hans-Otto Henke wusste, dass es bei Sorges Wechsel in der Sommerpause vom VfL Geesthacht zum SVH nicht mit rechten Dingen zugegangen war.

5000 Mark hatten die Hamwarder um Obmann Sven Meyer für Sorge damals am 3. Juli hingeblättert. Im Gegenzug datierten die Geesthachter Verantwortlichen Christian Wegner und José Exposito den Vereinsausritt auf den 30. Juni zurück. Erst dadurch konnte der Spieler sofort auflaufen. "Davon wusste ich nichts", beteuert Schumacher noch heute.

Daher legte Henke seinerseits Protest beim Hamburger Fußball-Verband ein - und bekam Recht. Der HFV stellte fest, dass Sorge nicht spielberechtigt war. Vier weitere Klubs legten Einspruch ein. Letztlich wurden dem SVH neun Punkte abgezogen. "Das war der Untergang von Hamwarde", erinnert sich Schumacher, der heute Obmann beim SC Wentorf ist.

Nach dem Urteil lief bei Sorge und Co. nichts mehr zusammen. Die Spieler bekamen sich untereinander in die Haare, nach der Saison zerbrach das Team. Anstatt in die Landesliga aufzusteigen, stieg der Verein in die Kreis- und ein Jahr später gar in die Kreisklasse ab. Erst 2008 klopfte der SVH wieder ans Tor zur Bezirksliga an. "Ich habe schon damals gesagt: ,Lasst den Protest sein!' Jeder wusste doch Bescheid, was war. Ich auch", gibt Sorge heute unumwunden zu. Aber wer andern eine Grube gräbt, . . .

Der Fall wäre in dieser Form heute nicht mehr möglich. Die Frist, in der Einspruch eingelegt werden kann, liegt inzwischen bei sieben Tagen.