Lars Grübler

Mit Dirk Nowitzki auf Korbjagd

Bergedorf. Plötzlich liegt überall Fisch. Vier Stunden geht auf der Autobahn A24 von Schwerin nach Berlin gar nichts. Dabei hat es Lars Grübler eilig. Das Basketballteam des TuS Lichterfelde richtet in der Hauptstadt ein Probetraining aus.

Für den damals 15-Jährigen soll es der Einstieg in den Profisport sein. Und dann kippt dieser Fischlaster um. Seine Eltern bekommen den Frust eines Teenagers ab, der seinen großen Traum schwinden sieht. Jetzt, 17 Jahre später, kann Grübler über diese Anekdote schmunzeln. Denn er hat es trotzdem geschafft: 1. Bundesliga, Juniorennationalspieler, und das einen Sommer lang sogar Seite an Seite mit Dirk Nowitzki, Deutschlands größtem Basketballer aller Zeiten. Inzwischen ist Grübler Leistungsträger der TSG Bergedorf in der 2. Regionalliga.

Durch einen glücklichen Zufall landete der ehemalige Bundesligaprofi in der Mannschaft von Trainer Bernardo Velarde. "Eigentlich wollte ich jemand anderes verpflichten, aber der konnte nicht. Dann hat er mir Lars empfohlen", sagt der TSG-Coach. Seitdem zählt Grübler zu Velardes Schlüsselspielern. Er ist der Mann für die zweiten Chancen. Landet ein Wurf nicht im Korb, holt sich der 2,12 Meter Riese die Rebounds. Ein Rezept, das aufgeht. Die TSG hat sich am vergangenen Wochenende die Herbstmeisterschaft gesichert. Für Grübler kein Zufall: "Wir haben eine sehr talentierte Mannschaft."

An die 100 Zuschauer kamen zum Spiel gegen den BC Rendsburg. Darüber kann der 32-Jährige manchmal nur schmunzeln. Für jemanden, der in der Max-Schmeling-Halle schon vor über 10 000 Anhängern auflaufen durfte, ein ungewohntes Gefühl. "Dieses amateurhafte ist eher charmant als störend", sagt Grübler. "Es ist doch schön, wenn Freunde und Familie in der Halle sind."

Als 16-Jähriger verließ der Schweriner sein Zuhause und zog nach Hagen zu einer Gastfamilie, um fortan für Brandt Hagen zu spielen. "Das fiel mir überhaupt nicht schwer. Ich wollte unbedingt Profi werden", sagt Grübler. Vom ehemaligen Nationaltrainer Bernd Röder wurde er bei "Jugend trainiert für Olympia" entdeckt und in die Junioren-Nationalmannschaft geholt.

Von Hagen ging es in die USA, wo Grübler an der Hofstra University in New York studierte und im College-Team spielte. Noch heute sind Relikte aus der New Yorker Zeit bei Grübler zu finden: "Ich esse fast alles mit Ketchup und nehme immer den Fahrstuhl."

Seinen ersten Profivertrag erhielt der Center bei Bayer Leverkusen. Nach zwei Jahren in der höchsten Spielklasse folgten Stationen in Liga zwei und drei (BBC Bayreuth, Mitteldeutscher BC, USC Freiburg, Gotha Rockets). 2009 schloss Grübler an der Universität Bayreuth sein Master-Studium "Intercultural-Studies" ab. Er wirkt nicht wie der klischeehafte Sportler, ist gebildet, eloquent und an Kultur interessiert. "Ich wusste früh, dass ich nicht ewig Basketball spielen kann". Derzeit absolviert er bis Ende März ein Praktikum als Texter bei der Werbeagentur "Jung von Matt". Daher kann es passieren, dass Grübler nach dem anvisierten Aufstieg der TSG wieder weiterzieht. Doch eigentlich soll Hamburg seine Heimat bleiben: "Die Stadt bietet einen tollen Nährboden für coole Dinge."

© Bergedorfer Zeitung 2018 – Alle Rechte vorbehalten.