FC Bergedorf

"Niemals ans Aufgeben gedacht"

Bergedorf. Den Augenblick, der sein Leben veränderte, hat Patrick Kossatz noch genau in Erinnerung. "Ich hatte gerade mit dem linken Fuß zum Pressschlag ausgeholt, dann ist mein Standbein weggerutscht und ich habe nur noch ein Knacken gehört", blickt der 24 Jahre alte Stürmer des FC Bergedorf 85 auf den 26. Juli 2008 zurück.

Es sind dramatische Szenen, die sich damals bei einem Vorbereitungsturnier des SC Condor nach einem eigentlich eher harmlosen Zweikampf mit Davide Pedroso-Bussu (FC St. Pauli II) abspielen. Zusammengekrümmt liegt Kossatz auf den Rasen und schreit immer wieder: "Oh nein, oh nein!", bevor er von seinen Mannschaftskameraden auf einer Liege vom Feld getragen wird. Während der Stürmer auf den Krankenwagen wartet, schießen ihm die Tränen in die Augen. "Ich dachte, das war es jetzt mit dem Fußballspielen", erzählt der Blondschopf. Die Diagnose scheint die Befürchtung zu bestätigen: Der Bergedorfer hat sich einen Kreuzbandriss, Innenbandeinriss und Meniskuseinriss im Knie zugezogen. Eine Rückkehr auf den Fußballplatz erschien seinerzeit illusorisch. Doch der Angreifer kämpfte sich zurück steht und nun, 17 Monate nach dem Unfall, vor seinem Comeback.

Eine letzte Untersuchung in der vergangenen Woche beim Spezialisten Dr. Carsten Lütten hat Kossatz Gewissheit gegeben, dass er sein Knie wieder voll belasten kann. "Er hat mir gesagt, dass ich wieder uneingeschränkt Fußball spielen kann", erzählt der 24-Jährige. Zum Start der Oberliga-Restrunde am 14. Februar gegen Eintracht Norderstedt will der 1,83 Meter große Angreifer wieder das "Elstern"-Dress überstreifen. "Sonst hätte ich das alles ja nicht gemacht", sagt er entschlossen.

Dem in der Jugend des Hamburger SV ausgebildeten Kicker, der über Hannover 96 II und den BV Cloppenburg den Weg an die Sander Tannen fand, ist bewusst, dass es eine Rückkehr in kleinen Schritten wird. "Ich muss mich erst einmal wieder an alles gewöhnen", sagt der in Harburg wohnende Stürmer.

Zwei Operationen und unzählige Rehamaßnahmen liegen hinter ihm. "Es war eine verdammt lange Leidenszeit. Aber ans Aufgeben habe ich zu keiner Sekunde gedacht", erzählt der 24-Jährige. Es hätte nicht viel gefehlt, und ihm wäre damals vollkommen der Boden unter den Füßen weggezogen worden. "Ich habe mich fünf Tage vor Beginn meiner Ausbildung zum Industriekaufmann verletzt. Gott sei Dank hat es dennoch geklappt", blickt Kossatz erleichtert zurück. "Zuvor war alles bei mir auf den Fußball fokussiert. Aber davon kann man ja nicht ewig leben", hat er seine Prioritäten verlagert.

Dass sein sportlicher Ehrgeiz unvermindert groß ist, war zu beobachten, wenn der Blondschopf den Partien seines Klubs tatenlos zusehen musste. Kossatz litt und motivierte, als stünde er selbst auf dem Platz. "Manchmal war es schon schwer. Insbesondere wenn es mir nicht gut ging und die Mannschaft dann auch noch schlecht spielte", erzählt er. Nun aber geht sein Blick in die Zukunft, in der Kossatz allerdings schnell wieder von der Vergangenheit eingeholt wird: Am 21. Februar tritt "85" bei Condor an. Für den 24-Jährigen wird es eine Rückkehr an den Ort seiner schwärzesten Stunde als Fußballer.