Eröffnungsfeier

Eine Kultstätte in neuem Glanz

Bergedorf. Das Billtal-Stadion ist noch immer Hamburgs größte städtische Sportanlage. Arbeitslose erbauten es im ehemaligen Schießtal, wo sich die Bergedorfer früher auf Volks- und Schützenfesten vergnügt haben.

Im September 1950 wurde das weitläufige Oval mit einem Symphonieorchester und 200 Fackelträgern eingeweiht. Mehr als 30 000 Zuschauer fanden hier Platz. 1958, im erfolgreichsten Jahr seiner Geschichte, feierte Bergedorf 85 hier durch einen 5:2-Sieg gegen den Itzehoer SV den Aufstieg in die Oberliga Nord. Höher ging es nicht, denn die Bundesliga öffnete erst 1963 ihre Tore. Rund 20 000 Fußball-Fans waren damals im Stadion.

Als Aufsteiger bekamen die "Elstern" eine Sondergenehmigung und durften ihre Oberligapartien auf dem Grandplatz austragen - für eine Saison. Die Spielstätte war gefürchtet. Ob der FC St. Pauli (2:0), Werder Bremen (5:2) oder der VfL Wolfsburg (4:1) - sie alle wurden mit einer Niederlage nach Hause geschickt. Nur der HSV war stärker, siegte mit 4:1.

1959 zog Bergedorf dann an die Sander Tannen um. Das Billtal-Stadion verwaiste. Am Sonntag wird es nun wiederbelebt, wenn "85" auf dem neuen Kunstrasenplatz zum Oberliga-Derby den SV Curslack-Neuengamme empfängt. Anstoß an der Daniel-Hinsche-Straße ist um 14 Uhr. Bereits ab 13.15 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier, zu der auch die Legenden von 1958 eingeladen wurden. Der Eintritt ist frei.

Für die beiden momentan besten Klubs im Hamburger Osten ist die Partie am Sonntag jedoch nicht das erste Aufeinandertreffen im Billtal. Denn Mitte der 70er trugen die Vierländer hier ihre Heimspiele in der damals höchsten Hamburger Spielklasse, der Landesliga, gegen "85" aus.

In der Saison 1973/74 siegte Bergedorf durch ein Tor von Manfred Rohde mit 1:0 gegen den Aufsteiger. In der folgenden Spielzeit gelang die Revanche. "Ein tolles Gefühl war das, vor so vielen Menschen einzulaufen", erinnert sich Hartmut Wulff, der damalige Abwehrspieler der Vierländer. Rund 3500 Zuschauer sahen die Partie. Bergedorfs Klaus Vogel fälschte einen Freistoß von Peter Kurschildgen ins eigene Tor ab. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Reiner Schmidt brachte den SVCN nicht aus dem Konzept. Manfred Rudemann markierte den 2:1-Siegtreffer. "Im Billtal vorgeführt: Curslack-Neuengamme ist die Nr.1 im Heimatfußball" titelte unsere Zeitung. Revanche konnte Bergedorf im Pokal nehmen, gewann an gleicher Stelle mit 3:0. In der Serie 75/76 waren wieder die Curslacker dran. Willi Gorbatchev erzielte das Tor zum knappen 1:0-Sieg.

Mehr als eine Million Euro an Konjunkturmitteln sind nun in das neue Stadion geflossen. Doch als dauerhafte Stätte großer Spiele ist das Billtal nicht vorgesehen. Die Anlage wird hauptsächlich für den Trainingsbetrieb und den Schulsport genutzt werden.