Deutsch lernen auf dem Wochenmarkt

Lauenburg
(kl).
Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Doch nicht nur die Unterbringung bereitet Probleme, auch die Sprache ist ein großes Hindernis bei der Integration. Das Land Schleswig-Holstein will gegensteuern und hat den Volkshochschulen (VHS) Geld für Sprachkurse zur Verfügung gestellt. "Aber es gibt zu wenig Sprachlehrer", sagt Klaus Kaufhardt, Leiter der Lauenburger Volkshochschule. Denn auch für die DAZ-Einrichtungen (Deutsch als Zweitsprache) werden Lehrkräfte gesucht. Kaufhardt freut sich darum, dass er Gerfred Baller verpflichten konnte. Der 79-Jährige aus Nusse ist Fachwirt für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft - und natürlich schon im Ruhestand. Trotzdem gibt er immer noch Volkshochschulkurse, meistens in Buchhaltung und Finanzbuchführung. Die neue Aufgabe reizt ihn: "Ich kann einfach nicht untätig zu Hause sitzen, sondern möchte mein Wissen weitergeben. Und für die Flüchtlinge ist es ganz wichtig, schnell Deutsch zu lernen", so Baller.

Nicht immer ist die Verständigung einfach, denn nur einige Flüchtlinge sprechen Englisch. So wie Jursida Bici, die vor einem Monat mit ihrem Vater und ihrem einjährigen Sohn nach Lauenburg gekommen ist. "Es ist wundervoll hier, und ich freue mich, dass ich an diesem Kursus teilnehmen kann", sagt die 29-jährige Albanerin. Veronika und Konstantin Gevorgyan sind Armenier. Seit drei Monaten sind sie hier, ihre beiden Söhne, vier und fünf Jahre alt, besuchen einen Kindergarten. "In Russland wurden wir von der Mafia verfolgt", erzählt der Familienvater.

Dreimal in der Woche lernen die Gevorgyans nun mit anderen Kursusteilnehmern die deutsche Sprache. Und das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch bei Ausflügen - unter anderem auf den Lauenburger Wochenmarkt.

VHS-Leiter Klaus Kaufhardt, selbst Lehrer im Ruhestand, begleitete die Gruppe. "Was ist das?" fragte er an jedem der Marktstände in die Runde, hielt Kürbisse, Bohnen und Äpfel hoch oder zeigte auf Blumen. Es folgten Antworten in mehreren Sprachen, darunter Arabisch, Russisch und Armenisch. Dann wurde die deutsche Bezeichnung geübt - nicht allen fiel die Aussprache leicht - besonders schwierig war offenbar das Wort Zwetschen.