Alte Technik steht Flutschutz im Wege

Von Ute Dürkop

Lauenburg.
Jetzt geht's ans Eingemachte. Der Vorsteher des Deichverbandes Stecknitz-Delvenau, Wolfgang Genczik, und die untere Wasserbehörde müssen eine weitere Kröte schlucken. Nach der neuen Gesetzeslage steht nicht nur das Gebäude des Schöpfwerkes unter Denkmalschutz (wir berichteten). In dieser Woche hat der Verband erfahren, dass dies auch die technische Innenausstattung mit Pumpen und Schaltanlage aus den 60er-Jahren betrifft. Doch die Sicherheit des Lauenburger Industriegebietes sowie des Hinterlands bis nach Büchen steht und fällt mit einem leistungsfähigen Schöpfwerk. Und die völlig veralteten Pumpen konnten den letzten beiden Hochwassern schon nichts mehr entgegensetzen. Nur der Einsatz von herangeschafften Hochleistungspumpen konnte eine Überflutung des Industriegebietes verhindern.

"Die Denkmalschutzbehörde sagt nun, dass nichts am Gesamtensemble verändert werden darf", erklärt Wolfgang Genczik. Es gebe zwar eine wasserbaurechtliche Genehmigung für die Modernisierung der Anlage, aber die werde durch die Entscheidung des Denkmalschutzamtes aufgehoben und sei nichts mehr wert. Auch mit dem Förderbescheid vom Land in Höhe von 1,6 Millionen Euro kann Genczik ohne Baugenehmigung nichts mehr anfangen. "Wir müssen dieses Geld bis Mitte 2016 verbaut haben, sonst wird der Förderbescheid zurückgezogen", so Genczik.

Der Fachbereichsleiter der Denkmalschutzbehörde Ratzeburg, Michael Birgel, Bürgermeister Andreas Thiede, Amtsleiter Reinhard Nieberg sowie Wolfgang Genczik und Vertreter haben in einem Gespräch nach Lösungen gesucht. Anschließend stellte der Deichverband umgehend einen Antrag an die Denkmalschutzbehörde. "Wir haben die Gründe für die notwendige Modernisierung aufgelistet und müssen jetzt bis zum 20. Oktober auf eine Antwort warten", so Genczik. Bis dahin will Michael Birgel entscheiden, ob sich die Modernisierung und die Anschaffung neuer Pumpen mit dem Denkmalschutz vereinbaren lassen.

Ein wenig Hoffnung gibt es also noch. Doch sollte die Modernisierung platzen, entsteht eine Lücke im Lauenburger Hochwasserschutz. An vier Bauabschnitten zur Sicherung des Bahndamms, des Stecknitzdeiches sowie im Bereich Palmschleuse bis Stecknitzdeich und bis zum Untertor der Schleuse am Elbe-Lübeck-Kanal arbeitet der Wasser- und Bodenverband zurzeit. "Diese Projekte brauchen aber die Unterstützung eines modernen Schöpfwerks", so Genczik.

"Sollte die Denkmalschutzbehörde nicht einlenken, läuft alles auf einen Neubau hinaus. Damit verzögert sich der Hochwasserschutz für das Industriegebiet. Das ist nicht mehr zu verstehen", sagte Bürgermeister Andreas Thiede in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Für einen Neubau fehlt dem Wasser- und Bodenverband aber das erforderliche Geld.