Lauenburg plant eine Gemeinschaftsunterkunft

Von Karin Lohmeier

Lauenburg.
Nicht mehr zweimal in der Woche, sondern täglich kommen jetzt Flüchtlinge nach Lauenburg. Und so langsam kommt auch diese Stadt bei der Unterbringung an ihre Grenzen. "Uns werden glücklicherweise immer noch Wohnungen zur Miete angeboten, aber spätestens im kommenden Jahr brauchen wir eine zentrale Unterbringungsmöglichkeit", sagte Bürgeramtsleiter Thomas Burmester, Leiter des Bürgeramtes, als er im Hauptausschuss über die aktuelle Situation berichtete.

Einen Standort dafür hat die Verwaltung bereits im Auge. Doch darüber wird bisher noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten - wohl um vorzeitigem Protest von Anwohnern vorzubeugen. "Näheres kann ich erst nach der Stadtvertretersitzung sagen", so Burmester. Fest steht aber schon, dass Kauf und Herrichtung des Gebäudes 462 400 Euro kosten würden. Diese Investition würde sich über die Vermietung finanzieren, so Burmester. Denn 70 Prozent der Unterbringungskosten zahlt das Land, 30 Prozent der Kreis. Zudem hoffe man auf einen Zuschuss von 25 000 Euro für den Ankauf des Gebäudes. Burmester: "Zurzeit ist der Topf des Landes leer, aber der Antrag ist gestellt, und wir gehen davon aus, dass wir das Geld erhalten werden."

Für den Löwenanteil der Kaufsumme muss Lauenburg aber einen Kredit aufnehmen - und bedarf dafür als Konsolidierungsgemeinde der Genehmigung des Landes. "Wir haben bereits mit der Kommunalaufsicht gesprochen. Für Flüchtlinge sind uns höhere Kredite erlaubt", so der Amtsleiter.

Weitere Ideen: die leer stehende Kita an der Rosenstraße kaufen oder die Jugendherberge am Sportplatz mieten. "Das Jugendherbergswerk hat Bereitschaft signalisiert", sagt Burmester. Es gebe jedoch noch weitere Optionen für Kauf oder Miete von Objekten. Hoffen lassen ihn auch die Pläne eines Unternehmers, der Geschosswohnungsbau in Lauenburg realisieren will. "Da gibt es aber noch einige Voraussetzungen zu erfüllen." Während in Hamburg Baurecht außer Kraft gesetzt werde, um schnell Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen, müsse es in Schleswig-Holstein bisher noch eingehalten werden.

111 Flüchtlinge hat Lauenburg in diesem Jahr bereits untergebracht - ausschließlich in Wohnungen. Insgesamt wird für 2015 mit einem Zugang von 224 Menschen gerechnet und für 2016 mit 250 Menschen. Hinzu kommen 74 Flüchtlinge, die bereits 2014 in Lauenburg untergebracht wurden. "Wir gehen davon aus, dass etwa 500 Personen sich neu in Lauenburg ansiedeln", heißt es in dem zwölfseitigen Bericht, den Burmester vorlegte.

Langfristig reiche wohl auch das Personal im Rathaus nicht mehr aus, um die ankommenden Flüchtlinge zu betreuen, so Burmester. Und: "Wir müssen das Ehrenamt in diesem Bereich weiter stärken. Ich habe Hochachtung vor allen, die sich da jetzt schon engagieren."

Das sahen die Ausschussmitglieder ebenso. "In Lauenburg läuft das alles sehr vorbildlich", lobte Markus Matthießen (CDU). Und Ausschussvorsitzender Jens Meyer (SPD) appellierte: "Dieses Thema erfordert von uns allen in der nächsten Zeit ein hohes Maß an Integrations- und Hilfsbereitschaft."

Anfang November soll es eine Einwohnerversammlung geben, in der es um die Flüchtlinge geht, kündigt Thomas Burmester an. Dann dürften auch genauere Standorte für zentrale Unterkünfte bekannt sein.

"Dieses Thema erfordert von uns allen in der nächsten Zeit ein hohes Maß an Integrations- und Hilfsbereitschaft." Jens Meyer, Ausschussvorsitzender