Lauenburg

Lauenburger soll Flughafen Lübeck vor dem Absturz retten

PuRen-Group: Markus Matthießen führt Deutschland-Tochter

Bei der Rettung des insolventen Flughafens in Lübeck scheint Lauenburg immer mehr eine Schlüsselrolle einzunehmen. Wie berichtet, hatte Bürgermeister Andreas Thiede über Wochen hinter den Kulissen die Fäden gezogen und den Chinesen in Lübeck die Türen geöffnet. Jetzt die nächste Überraschung: Zum Geschäftsführer der eigens für das Deutschland-Geschäft gegründeten PuRen Germany GmbH wurde der Lauenburger Markus Matthießen ernannt.

Erst am Donnerstag hatte die Lübecker Bürgerschaft durch Matthießen Einzelheiten über die chinesische PuRen-Gesellschaft erfahren und anschließend dem Verkauf mehrheitlich zugestimmt. Matthießen selbst lernte YongQiang Chen, den Kopf der chinesischen PuRen Group, Ende Mai dieses Jahres in Lauenburg kennen. Der Fraktionschef der CDU nahm damals an einem Gespräch im Zimmer von Bürgermeister Andreas Thiede teil, bei dem es eigentlich um ein mögliches wirtschaftliches Engagement der Chinesen in Lauenburg gehen sollte. "Die Delegation hatte Interesse an einem Flughafen geäußert und so hat sich die Zusammenarbeit konkretisiert", sagte Matthießen gestern gegenüber unserer Zeitung.

In Lauenburg selbst hat die insbesondere von Bürgermeister Thiede angebahnte Partnerschaft zu China noch keine sichtbaren Früchte getragen. Die Dinge brauchen Zeit, pflegt der Verwaltungschef auf solche Fragen zu antworten. Im Fall des angeschlagenen Lübecker Flughafens gingen die Dinge offensichtlich rasend schnell. "Im Juni bin ich nach Peking geflogen, habe mich von der Stimmigkeit des Konzeptes überzeugt und mich dann entschlossen, die Herausforderung als Geschäftsführer anzunehmen", sagt Matthießen.

Dass viele Bürger und auch einige Lübecker Politiker den Deal mit gemischten Gefühlen betrachten, überrascht Matthießen nicht: "Die vorherigen Eigentümer haben einen großen Scherbenhaufen hinterlassen. Deshalb gibt es dieses Misstrauen." Er selbst sei allerdings auf aufgeschlossene und kompetente Mitarbeiter des Flughafens gestoßen, auf die er künftig bauen wolle. Dies wird auch nötig sein, denn wie der gelernte Bankkaufmann selbst einräumt, ist die Geschäftführung eines Unternehmens Neuland für ihn.

In Lauenburg ist der 41-Jährige vor allem durch seine verschiedenen politischen Funktionen bekannt. Seit 2013 ist er Mitglied der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung. Mehrere Jahre lang leitete er den CDU-Ortsverband und seit diesem Jahr ist er Fraktionsvorsitzender seiner Partei. Von 2009 bis 2012 saß Matthießen für die CDU im Kieler Landtag. Nachdem er 2012 nicht wiedergewählt wurde, übernahm er das Amt des Geschäftsführers des CDU-Kreisverbandes Stormarn.

Von seinem Karriereschritt als Geschäftführer der deutschen Tochter der chinesischen PuRen-Gesellschaft erhofft sich Matthießen auch positive Auswirkungen auf Lauenburg. "Insbesondere der Tourismus könnte vom Interesse der Chinesen an unserer Region profitieren", ist er überzeugt. Angesprochen auf mögliche wirtschaftliche Synergieeffekte für Lauenburg, hält sich Matthießen allerdings bedeckt: "Es gibt da einige Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind."

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