Weingarten

Hier greift Frau selbst zur Schippe

Lauenburg. Noch weiß Janina Brosy nicht, wer einmal ihre Nachbarn sein werden. Aber durch Berge aus dem Schutt eingerissener Mauern setzt wenigstens sie deutliche Zeichen, dass etwas passiert auf dem Gelände des ehemaligen Bauunternehmens Schmidt am Weingarten.

Wie berichtet sollten die Bauarbeiten für den ursprünglich geplanten "Wohnpark der Generationen" hier längst im Gange sein. Die Pläne gerieten aber ins Stocken, weil die Stadt das Grundstück erwarb und die Nutzung des Geländes ausgeschrieben hat.

Allerdings hat die Stadt zwar den größeren, aber eben nur einen Teil des Gesamtgeländes erworben. Das Haus des ehemaligen Eigentümers und ein Stück des Grundstücks gehören nun Janina Brosy. Die Ergotherapeutin will in der alten Stadtvilla schon Anfang April ihre neue Praxis eröffnen. Dies scheint ein ehrgeiziges Ziel, angesichts der noch unverputzten Wände, des Baustaubs und der neuen Durchbrüche in den alten Mauern des Hauses. Wer mit der neuen Eigentümerin durch das Haus läuft, braucht schon viel Fantasie, um ihren Erklärungen zu folgen, wo künftig die Praxisräume sein werden, wo die Wartezimmer und wo die Bereiche für die Bewegungstherapie. Damit ihre Pläne aufgehen, krempelt Janina Brosy auch selbst die Ärmel auf. Obwohl die Praxis in ihrem bisherigen Domizil Am Schüsselteich ohne Abstriche weiter läuft, schippt die 33-Jährige nach Feierabend Bauschutt, kratzt alte Tapeten von den Wänden oder versucht dem allgegenwärtigen Zementstaub Herr zu werden.

Ihren Entschluss, die ehemaligen Stadtvilla in Lauenburg Innenstadt zu erwerben, hat die neue Eigentümerin noch keinen Moment bereut. "Allerdings war ich schon überrascht, dass es plötzlich wieder fraglich ist, ob die Häuser für Jung und Alt nebenan überhaupt gebaut werden", gibt sie zu. Immerhin ist die Behandlung alterstypischer Beschwerden einer der Schwerpunkte ihres Therapieangebotes. Zukunftssorgen macht sich die junge Frau, die vor fünf Jahren "der Liebe wegen" nach Lauenburg kam, trotzdem nicht. "Ich glaube an das Potenzial Lauenburgs und habe mich besonders in die Altstadt verliebt", schwärmt sie und vergleicht den Charme der Stadt mit Celle, wo sie aufgewachsen ist.

Janina Brosy, die als Ergotherapeutin seit 2008 selbstständig ist, will mit gutem Beispiel voran gehen, damit es mit ihrer Wahlheimat künftig bergauf geht: "Ich habe bisher drei Arbeitsplätze in Lauenburg geschaffen und für den Ausbau der neuen Praxis nur Handwerksbetriebe aus der Region beauftragt", sagt sie aus Überzeugung.