Serie: Adventskalender

Schräge Töne werden nicht verübelt

Sie ist alt, ziemlich staubig und nicht immer trifft sie den richtigen Ton. Kantorin Katja Bauke liebt sie dennoch: ihre Orgel in der Maria-Magdalenen-Kirche. "Ich spiele schließlich schon seit 20 Jahren darauf", so die 46-Jährige. "Außerdem", sagt Bauke, "steckt hier so viel Geschichte drinnen." Tatsächlich lohnt sich ein Blick hinter die Türen der Maria-Magdalenen-Kirche, in deren Empore die 1625 erbaute Orgel steht.

Schon bevor Katja Bauke auch nur eine Taste gedrückt hat, beeindruckt das Instrument mit etwa vier Metern Höhe und vier Metern Breite. Die Orgelpfeifen wurden im Laufe der Zeit des Öfteren ausgetauscht. 1797, 1904 und zuletzt 1961 wurde das Instrument restauriert. Die historische Holzverkleidung, in der 2000 Pfeifen zwischen einer Länge von vier Metern und wenigen Zentimetern angebracht sind, ist allerdings noch immer die von 1625.

Von der alten Zeit zeugen noch verschiedene Sprüche auf der Orgel. "Soli Deo Gloria" zum Beispiel, zu deutsch "Gott allein die Ehre". "Das hat Johann Sebastian Bach immer unter seine Werke geschrieben", erzählt Katja Bauke und erklärt: "Er meinte damit, dass man seine Musik nutzen soll, um den Glauben weiterzugeben." Etwas, das auch Katja Bauke, die in ihrer Jugend über den CVJM zum evangelischen Glauben kam, sehr wichtig ist. Doch dabei sollte man nie zu streng mit sich sein, meint Bauke ebenfalls und zeigt auf einen zweiten Spruch, der in goldenen Lettern auf das dunkle Holz der Orgelverkleidung geschrieben wurde. "Die Stimme tut nicht Orgelklang, Andacht und Herz tut den Gesang". "Dieser Spruch besagt, dass es wichtiger ist mit dem Herzen dabei, als musikalisch perfekt zu sein", erklärt sie und führt dann in das Heiligste der Orgel: ihren sonntäglichen Stammplatz, ein kleiner Verschlag, der voll gepackt ist mit Notenheften und Blättern.

Hier sitzt Bauke Sonntag für Sonntag an ihrer "Drei-manualigen Orgel". Ihre Hände fliegen über die Tasten, ihre Füße treten die Pedale, und sie zieht die Register, um so die Klangfarbe der Orgelpfeifen zu ändern. Orgelspielen ist eben nicht wie Klavierspielen, "der Körpereinsatz ist schon um einiges höher", so Bauke. Dann präsentiert sie eine Besonderheit ihrer Orgel, die eigentlich nur zu Weihnachten zum Einsatz kommt: Wenn sie das Register der Zimbelsterne zieht, drehen sich über ihrem Kopf zwei Metallsterne mit Glocken, die das Lied "Oh du fröhliche" mit festlichem Hintergrundläuten untermalen. "Vor allem die Kinder lieben das", weiß Bauke und lacht.

Katja Bauke kann allerdings schon seit Jahren nicht mehr alle der 36 Register spielen. Denn die 1961 zuletzt von der Firma Kemper eingebauten Orgelpfeifen und Register sind zum großen Teil nicht mehr in Ordnung. Die Orgelpfeifen sitzen teils nicht mehr richtig in der Verankerung, sind von innen staubig und dreckig, und bestimmte Töne sind inzwischen einfach schief. "Ich helfe mir dann, indem ich einfach mit bestimmten Registern oder Orgelpfeifen nicht spiele", so Bauke. Eine wirkliche Lösung sei das aber nicht. "Wir hatten einen Orgelsachverständigen hier, der festgestellt hat, dass das Problem nur noch durch ein neues Instrument behoben werden kann", berichtet sie. Im Moment fehlt der Kirche dafür aber das Geld. "Deshalb werden wir die Orgel jetzt erst mal soweit es geht reinigen und reparieren und damit noch 15 bis 20 Jahre weiterspielen", fügt sich die Kantorin in ihr Schicksal.

Während der Adventszeit öffnen wir jeden Tag eine neue Tür. Am Montag schauen wir in die Busfahrer-Unterkunft am Geesthachter ZOB.