Stadtvertreter-Streit

Grüne raten Fischer zu Parteiaustritt

Lauenburg. Der Ortsverband (OV) der Bündnisgrünen hat auf die Kritik ihres Stadtvertreters Niclas Fischer an seiner Kollegin Katharina Bunzel und die damit verbundene Rücktrittsforderung reagiert und dem Politiker nahegelegt, die Partei zu verlassen, wenn er sich nicht an die Gepflogenheiten des Ortsverbandes halten könne oder wolle.

Mit Hinweis auf Fischers frühere politische Tätigkeiten bei CDU und FDP verbinden Bunzel und die OV-Sprecher Helga Schlüter und Martin Merlitz diese Aufforderung mit dem süffisanten Zusatz: "Es wäre nicht die erste Partei."

Die Grünen-Politikerin wird vom OV ausdrücklich in Schutz genommen. Die Auflösung der Fraktion sei ihre logische Konsequenz aus Fischers eigenmächtigem und undemokratischen Umgang mit der Funktion des Fraktionsvorsitzenden gewesen. Über eine Zeit von mehreren Monaten habe er keine Fraktionssitzungen einberufen, Sitzungen ignoriert und Informationen der Verwaltung und anderer Parteien nicht weitergegeben. "Es fehlte jegliche Kommunikation. De facto bestand deshalb, lange bevor Katharina Bunzel diesen Zustand durch ihren Austritt öffentlich gemacht hat, keine Fraktionsarbeit mehr", sagen Merlitz und Schlüter.

Im Gegensatz dazu habe die Politikerin die Arbeit in der Stadtvertretung und das Agieren als Grüne in der Öffentlichkeit stets mit dem Ortsverband und auch mit dem Kreisverband abgestimmt. Fischer dagegen habe sich seit mehr als einem Jahr nicht mehr beim Ortsverband sehen lassen, Einladungen zu Sitzungen ignoriert, unentschuldigt gefehlt und außer in Schmäh- und Beleidigungsäußerungen per Email keinen Kontakt gesucht.

Sein Bemühen um den Erhalt der Stieleiche auf dem Gelände der ehemaligen City Passage werten die Grünen als unnötigen Alleingang. Der Ortsverband habe sein Vorgehen zur Rettung dieser Eiche in diversen Sitzungen einer Arbeitsgruppe demokratisch abgestimmt. Wäre es Niclas Fischer in erster Linie um die Sache und grüne Positionen gegangen, hätte er sich sehr gut einer Gemeinschaftsaktion anschließen können. "Niclas Fischer geht es leider in erster Linie nur um eins: Niclas Fischer!", sagt Merlitz und betont, dass für Personenkult bei den Grünen kein Platz sei. Der Lauenburger Ortsverband stehe für die Darstellung und Durchsetzung grüner Positionen, auch beim Erhalt Stadtbild prägender Bäume. "Hierfür beschreiten wir basisdemokratische Wege und scheuen uns nicht, Informationen in unseren Gremien auszutauschen und das gemeinsame Handeln abzustimmen. Zur Einhaltung dieses Weges war Niclas Fischer mit unserem Schreiben aufgefordert worden. Ist er dazu nicht bereit, mag er selbst die Konsequenzen ziehen", betonen Schlüter und Merlitz.