Hafenstraße

Lärmpegel liegt über dem Grenzwert

Lauenburg. Jetzt ist es amtlich: Der Verkehrslärm, der von der Hafenstraße und Teilen der Bundesstraße 5 ausgeht, liegt auch nach der Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert.

Demnach dürfte der Lärmpegel in Wohngebieten tagsüber 70 Dezibel und nachts 60 Dezibel nicht überschreiten. Tatsächlich aber zeigt das aktuelle Lärmkataster des Landesumweltministeriums, dass in der 24-Stunden-Betrachtung Werte von bis zu 80 Dezibel erreicht werden. Nachts raubt der Verkehrslärm von bis zu 70 Dezibel Anwohnern den Schlaf.

"Tatsächlich dürfte die Belastung weit höher liegen, denn an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hält sich kaum jemand", kritisiert Heinz Victor vom Bürgeraktionsbündnis "Lauenburg reicht's!" (BAB) das Rechenmodell, das lediglich eine geringe pauschalisierte Geschwindigkeitsüberschreitung zugrunde legt. Außerdem würde der gezählte Lkw-Verkehr trotz des Sonntagsfahrverbotes auf sieben Wochentage verteilt und das Bild damit zusätzlich verfälscht.

"Es gibt aber eine Methode, die den tatsächlichen Verkehrsfluss und die Fahrgeschwindigkeit auswertet", so Victor und beruft sich dabei auf Informationen aus dem Hamburger Büro "Lärmkontor", das von der Stadt mit der Erarbeitung eines Lärmaktionsplanes beauftragt wurde. Die BAB-Akteure fordern nun in einem offenen Brief, dass Politik und Verwaltung die notwendigen Schritte einleiten, um an genaue Zahlen zu kommen.

Dabei erhoffen sich Victor und seine Mitstreiter mehr Unterstützung, als ihnen ihrer Meinung nach vom Kreis entgegengebracht wird. Schon im März dieses Jahres hatten sie sich mit der Bitte an Landrat Gerd Krämer gewandt, geeignete Maßnahmen einzuleiten, die Verkehrsbelastung insbesondere an der Hafenstraße einzudämmen. Krämer warb damals um Verständnis, dass zunächst aktuelle Zahlen vorliegen müssten, damit dem Antrag über "weitere verkehrsrechtliche Maßnahmen aus Lärmschutzgründen auf der B 5 und B 209 in Lauenburg" stattgegeben werden könne. In der vergangenen Woche nun die aus Sicht der BAB-Akteure enttäuschende Antwort aus Ratzeburg: Zwar lägen nunmehr auch der Verkehrsbehörde des Kreises die aktuellen Verkehrsdaten vor, eine Entscheidung über Lärmschutzmaßnahmen gebe es aber trotzdem noch nicht. Stattdessen wolle man zunächst mit dem Landesverkehrsministerium das weitere Vorgehen abstimmen. "Wir hatten erwartet, dass sich der Kreis nach Vorlage der aktuellen, grenzwertüberschreitenden Zahlen unmissverständlich auf unsere Seite stellt"; bringt Victor die Enttäuschung des BAB auf den Punkt.

Bei der Stadt arbeitet man zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Büro "Lärmkontor" mit Hochdruck an dem sogenannten Lärmaktionsplan für Lauenburg.

"Bis Juni nächsten Jahres muss der Vorschlagskatalog mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung vorliegen", fasst der Amtsleiter für Stadtentwicklung, Reinhard Nieberg, das ehrgeizige Ziel zusammen. Als geeignete Maßnahmen zur Lärmeindämmung sieht der Gesetzgeber unter anderem Nachtfahrverbote, Sperrung für bestimmte Fahrzeuggruppen oder schallschluckende Straßenbeläge vor.

Doch darauf allein wollen sich die BAB-Akteure nicht verlassen. Auf Vermittlung der SPD-Landtagsabgeordneten Olaf Schulze machen sie sich am 13. Dezember auf den Weg nach Kiel, um bei Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) persönlich nachzufragen, auf welche konkrete Unterstützung des Landes die lärmgeplagten Anwohner der viel befahrenen Lauenburger Straßen rechnen können.