Leserbrief: Übertragung an private Stiftung nicht zulässig

"Kulturkonferenz des Kreises sollte über die beantragten Angebote erscheinen"

Betr.: " Wird die Kultur kaputt gespart", Lauenburg - Seite vom 2. 10. 2012.

Ergänzend zu Ihrer Berichterstattung möchten wir auf einige auch wesentliche Fakten und Gesichtspunkte hinweisen, die in der Veranstaltung der SPD mit angesprochen wurden. So haben wir darauf hingewiesen, dass die Kreispolitik gemäß der Landesverfassung selbst für die Kultur zuständig ist und diese auch selbst wieder aktiv gestalten sollte. Die in 2005 erfolgte Übertragung dieser Aufgabe an die private Stiftung Herzogtum Lauenburg ist weder zulässig, zielführend noch demokratisch strukturiert. So hat die Stiftung es bisher nicht erreicht, die erforderliche Vertrauensbasis zu zahlreichen Kulturschaffenden zu legen. Zusätzlich besteht ein erheblicher Vorbehalt gegen die Stiftung, weil sie in all den Jahren dem Kreistag keinen schriftlichen Verwendungsnachweis über die vom Kreis Herzogtum Lauenburg zur Verfügung gestellten 180 000 Euro jährlich vorgelegt hat. Der Hinweis von Vizepräsident Wolfgang Engelmann auf die hohen Unterhaltungskosten für den Stadthauptmannshof im Mölln suggerierte dem Zuhörer zudem die Frage: "Werden aus dem Kreiszuschuss für die Kulturarbeit des Kreises von der Stiftung Mittel für die bauliche Unterhaltung des Stadthauptmannshofes verwendet?" Auch darüber würden die Verwendungsnachweise zu den Jahren 2006 bis 2012 Klarheit bringen. Übrigens ist jeder sonstige Zuschussempfänger gegenüber dem Kreis nachweispflichtig. Warum eigentlich bisher nicht auch die Stiftung? Insbesondere die Kreistagsabgeordneten sollte interessieren, wofür die Stiftung das vom Kreistag bewilligte Geld verwandt hat, sie haben das Kontrollrecht dazu, auch wenn dieses im Vertrag des Kreises mit der Stiftung nicht ausdrücklich gefordert wird. Aus dem 180 000 Euro Kulturetat des Kreises pro Jahr verteilt die Stiftung im Monat insgesamt 23 233,33 Euro an die Dommusiken in Ratzeburg, das Künstlerhaus in Lauenburg, für die "Lauenburgische Heimat" und die Eulenspiegelfestspiele in Mölln. Wofür wurden die restlichen 156.766,67 Euro verwendet? Bevor bei anderen Kulturschaffenden weiter gekürzt wird, sollte diese Frage eindeutig beantwortet und belegt sein. Für die Zukunft sprachen sich fast alle Teilnehmer der Gesprächsrunde für eine Kulturkonferenz des Kreises aus, in der ein Leitungsgremium von allen teilnehmenden Kulturschaffenden einschließlich der Stiftung gewählt würde, das über die beantragten Kulturangebote entscheiden soll. Das wäre ein guter Weg mit der Gewissheit: "Kultur rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus!"

Forum Kultur&Umwelt, Hans-H. Stamer (Sprecher), 21493 Möhnsen

Mit Namen gekennzeichnete Leserbriefe müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die sich das Recht auf Kürzungen vorbehält.