Protest

Bürger wollen alte Eiche retten

Lauenburg. Das goldgelbe Laub der stattlichen Eiche ist zurzeit der einzige Lichtblick vor der City-Passage an der Hamburger Straße. Ansonsten türmen sich hier Unrat und Dreck vor blinden Schaufensterscheiben.

Doch wie berichtet, hat der Lauenburger Unternehmer Rainer Staneck auf diesem Gelände Großes vor: Für knapp zehn Millionen Euro soll hier eine behindertengerechte Wohnanlage mit allem Drum und Dran entstehen. "Dieses Bauvorhaben ist ein Gewinn und wird die Innenstadt beleben" ist Ulrike Köller überzeugt. Was die 51-jährige Lauenburgerin an diesem Plan aber ärgert: "Warum muss die alte Eiche dafür geopfert werden? Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Alternativen für eine Einfahrt zum Gelände geprüft wurden."

Schon als der Entwurf des Bebauungsplanes im vergangenen Monat auf der Tagesordnung des Bau- und Planungsausschusses stand, wurde die geplante Fällung der Stileiche kontrovers diskutiert. "Jetzt liegt der Planentwurf vor und damit haben wir Bürger das Wort", sagt Ulrike Köller und hofft, möglichst viele Lauenburger im Kampf um den 280 Jahre alten Baum mobilisieren zu können. Rückendeckung erhält sie dabei von Stadtvertreter Niclas Fischer, der sich ebenso wie seine ehemalige Fraktionskollegin Katarina Bunzel (beide Grüne) für den Erhalt des Baumes stark machen will. "Nach der Rodung des Krankenhausgeländes soll offenbar der Trend zur baumfreien Innenstadt fortgesetzt werden", so Fischer. Er kritisiert die nach seiner Meinung verfehlte Stadtplanung, die sich Investorenvorhaben unterordne, anstatt eine gerechte Interessenabwägung vorzunehmen. Seine Meinung sieht er durch ein Baumgutachten vom November 2011 bestätigt, welches die Eiche "als einen unbedingt erhaltungswürdigen Baum" einstuft.

Im Entwurf des Bebauungsplanes heißt es dagegen, dass die Eiche "nicht zu erhalten" sei, weil sonst die Verkehrserschließung des Wohnprojektes nicht gewährleistet wäre. "Lächerlich", sagt Fischer dazu. "Der Abstand zwischen Baum und Fachwerkhaus beträgt über neun Meter. Selbst für eine Bundesstraße wird lediglich ein Querschnitt von 6.50 Meter benötigt." Damit die Wurzeln geschont werden, wäre ein überfahrbarer Deckel denkbar, der auf eingespülten Pfählen lastet. "Beides verursacht für den Investor natürlich höhere Kosten", räumt Fischer ein.

Am vergangenen Sonnabend machte der Ortsverband der Grünen bereits vor Ort auf die drohende Abholzung des Baumes aufmerksam. Ulrike Köller will für den Erhalt der Eiche nun Unterschriften sammeln.

Der Bebauungsplan "City-Passage / Hamburger Straße 2-4" kann vom 26. Oktober bis zum 26. November im Stadtentwicklungsamt, Amtsplatz 5, eingesehen werden.