Leserbrief: Streik der Ärzte

"Was passiert mit dem Geld der Krankenkassen?"

Betr.: "Ärztestreik", diverse Artikel in jüngster Zeit

Ein Hausarzt bekommt pro Quartal 23 Euro je Patient, egal, wie oft dieser in der Praxis erscheint. Wenn dieser Patient ein Brutto-Einkommen von 3825 Euro hat, also an der Beitragsbemessungs-Höchstgrenze liegt, muss er (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) monatlich 593 Euro an seine KV abliefern. Im Quartal sind das 1779 Euro, im Jahr 7116 Euro. Ein Normalverdiener mit einem Brutto-Einkommen von 1500 Euro führt in dem gleichen Zeitraum 670 Euro ab. Im Jahr 2680 Euro, Praxisgebühren und sonstige Zuzahlungen nicht gerechnet.

Es ist also völlig falsch, damit zu argumentieren, gute Medizin müsse auch mehr Geld kosten und in das System müsse von oben noch mehr eingefüllt werden. Es ist genug Geld im System. Auch erkennbar an den Milliarden-Überschüssen der Pflicht-Krankenkassen; Mittel, die den Beitragszahlern - auch in Form von Leistungen - vorenthalten wurden.

Von diesen immensen Beträgen landen beim Hausarzt nur ganze 23 im Quartal? Warum ist das so? Wo bleibt das Geld? Bei den Krankenkassen, die mehr Angestellte haben, als es niedergelassene Ärzte gibt? In den Verwaltungen der Vereine der Kassenärztlichen Vereinigungen, deren Vereinsobere sich Gehälter im Bereich von über 200 000 Euro genehmigen? Bezahlt mit unseren Zwangs-Beiträgen? Bei den Fach-Ärzten, die innerhalb ihrer Standesorganisation die stärkste Lobby haben, zum Nachteil der Hausärzte? Bei der Pharma-Industrie, deren Produkte in Deutschland immer noch teurer sind als im Ausland? Bei den Krankenhaus-Konzernen, die Gewinne von 15 Prozent propagieren? Für unnütze, teils schädliche Medikamente, die massenhaft verschrieben werden, weil Höchstwerte immer weiter gesenkt werden? Und mit jeder Senkung von Höchstwerten für z. B. Cholesterin Milliardenumsätze für die Pharmaindustrie und Folgeerkrankungen generiert werden, gegen die dann wieder zusätzliche Medikamente eingesetzt werden? Ist es die mangelnde Kompetenz der Politik, sich den Interessen der Nutznießer dieses Systems nicht entziehen zu können? Wo die eigentlichen Nutznießer dieses Systems doch nur die Beitragszahler und Patienten sein sollten, die in der ganzen Diskussion kaum vorkommen.

Was stimmt nicht in diesem System? Wenn die Hausärzte gegen diese Zustände revoltieren, so ist das mehr als verständlich. Wenn Ärzte aber ihre Patienten bestreiken, so sind diese ganz sicher die falsche Zielgruppe.

Martin H. H. Janssen

21481 Lauenburg