Kleingartenverein

Misstrauen, Wut und noch mehr Angst

Sie hatten es im Vorfeld angekündigt: Am Sonnabend warfen Karsten Borchardt und Martina Hops das Handtuch. Monatelang hatte jemand dem Vorsitzenden und der Rechnungsprüferin des Lauenburger Kleingartenvereins übel mitgespielt: Einbrüche ins Vereinsheim, gefälschte Unterschriften, Brandstiftung und zuletzt sogar die Drohung, dem Hund von Martina Hopf etwas anzutun (wir berichteten).

Anspannung und Erleichterung gleichzeitig standen Karsten Borchardt ins Gesicht geschrieben, als er den Rücktritt des Vorstandes nun offiziell vor den zahlreich erschienenen Schrebern verkündete. "Die Grenze ist überschritten, wir können nicht mehr", sagte er, und seine Worte waren in dem einsetzenden Gemurmel kaum zu verstehen. "Dann hat der Feigling doch erreicht, was er wollte", brachte ein junger Mann die Stimmung im Saal auf den Punkt. Umstimmen ließen sich Borchardt und Hops allerdings nicht mehr. Auch dann nicht, als sie nach der Rechnungsprüfung ohne Beanstandungen von den Anwesenden einstimmig entlastet wurden. "Wir hatten lange vergeblich auf eure Unterstützung gehofft", so Borchardt verbittert.

Offensichtlich herrschen Misstrauen und vor allem Angst hinter den Gartenzäunen der Schreber. Niemand wollte sich offiziell gegenüber unserer Zeitung äußern. "Gemunkelt wird viel", erzählte uns eine Anwesende. Jemand wolle wohl sein eigenes Süppchen kochen und den Vorstand mit gezielten Aktionen in Misskredit bringen. Auch sei die Rede davon, dass diese Person Beziehungen nach "ganz oben" habe. Aber das alles erzähle man sich nur hinter vorgehaltener Hand. "Wer will sich schon die Laube anzünden lassen, so wie es mit dem Vereinshaus passiert ist", warb die Frau um Verständnis.

Wer nach dem Rücktritt des Vorstandes nun den Wiederaufbau des in Brand gesteckten Vereinsheims koordinieren wird, ist unklar. Borchardt konnte lediglich verkünden, dass die Versicherung wohl für den Schaden aufkommen wird. Eine Antwort darauf, welche Erkenntnisse die Polizei bisher zur Brandursache gewonnen habe, musste er dagegen schuldig bleiben. "Wir haben keinerlei Informationen dazu", bedauerte er.

Wenig überraschend: Niemand wollte die Fußtapfen des zurückgetretenen Vorstandes steigen. Der Gesetzgeber sieht in solchen Fällen vor, dass das zuständige Amtsgericht einen Notvorstand bestellt, damit der Verein handlungsfähig bleibt. Dieser Notvorstand kann auch aus einer einzigen Person bestehen, die dann allein die Geschicke des Vereins lenkt.