Öko-Garten

Ein Paradiesvogel zieht nun weiter . . .

Lauenburg. Die Stängel der orange-roten Kapuzinerkresse winden sich zwischen Efeu, Brombeerbüschen und fremdländisch anmutenden Ranken mit Früchten, die auf keinem Wochenmarkt zu finden sind.

Dieser Garten am Elbhang war für 11 Monate das Zuhause von Brigitte Klotz, dem "Paradiesvogel", wie sie von ihrer Nachbarin Marion Hoffmann genannt wird.

Eigentlich wollte die lebhafte Frau mit den rotbraunen Haaren und den wachen Augen in Lauenburg sesshaft werden. Sie hat in dem verwilderten Garten einen Winter lang Büsche beschnitten, längst vergessene Pfade freigelegt und es ansonsten den Pflanzen und Krabbeltieren selbst überlassen, welchen Weg sie sich in diesem verwunschenen Paradies suchen.

Vielleicht gefiel dem einen oder anderen Bewohner der Elbstraße dieser scheinbare Wildwuchs nicht. Kann auch sein, die Nachbarn waren irritiert, wenn Brigitte Klotz bei Sonnenaufgang auf dem Dach ihres Hauses asiatische Kampfkunst trainierte. "Bei den Menschen hier bin ich nie angekommen", sagt die ehemalige Lehrerin für Biologie und Kunst und hat wieder ihre Sachen gepackt, um in ein Öko-Wohnprojekt nach Lübeck zu ziehen. In den vielen Sommernächten, die sie in der Hängematte ihres Gartens verbracht hat, hat sie sich Gedanken über die Lauenburger und ihre Stadt gemacht: "Im Laufe der Geschichte waren Fremde, die nach Lauenburg kamen, immer eine Bedrohung. Das ist in den Köpfen vieler Menschen so geblieben", vermutet die geborene Schwäbin.

Verbittert sei sie nicht, traurig schon - vor allem, weil die Stadt so einzigartig sei. "Der Blick hier vom Hang über die Elbe erinnert mich an Neuseeland", meint sie offenbar in vollem Ernst. Dieses Land am anderen Ende der Welt hat sie in den vergangenen Jahren mehrmals bereist, immer so lange, wie es das Visum erlaubt. Von dort stammen viele der fremdländischen Pflanzen in ihrem Garten, die das ungeübte Auge auf den ersten Blick für Unkraut halten könnte. So wie die indianische Wurzel Tobinampur, die sie - wie fast alles, was in ihrem Garten wächst - in der Küche verarbeitet.

Auf einer ihrer Reisen durch Neuseeland hat sie den 24-jährigen Kunststudenten Lukas Engelhardt aus Hamburg kennengelernt, der Brigitte Klotz immer mal wieder besucht, wo auch immer sie sich gerade niedergelassen hat. "Eine gute Freundin" nennt er sie, und er ist für die 61-Jährige ihr "Reisekind". "Ich schätze ihren Freiheitsdrang und ihre Toleranz anderen Menschen gegenüber", sagt der junge Mann über seine Reisebekanntschaft.

Eine der wenigen hier, die Brigitte Klotz nähergekommen sind, ist Nachbarin Marion Hoffmann: "Brigitte hat mir gezeigt, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Sie ist ein Paradiesvogel und sie wird Lauenburg fehlen."