Zugpferdemuseum

Als echte Pferdestärken im Alltag noch gefragt waren

Lütau (tja). Das Zugpferdemuseum der Familie Hagenkötter geht auf Europatournee: Im März 2013 soll als erste Station im Verkehrsmuseum in Dresden über die Geschichte der echten Pferdestärken informiert werden.

"Anschließend ziehen wir weiter, es laufen Gespräche mit Museen in Dänemark, England und Schweden", berichtet Jürgen Hagenkötter. "Wir wollen in der Wanderausstellung die Entwicklung des bespannten Fuhrwesens vom Ausgang des Mittelalters bis zum Ende der Industrialisierung zeigen", sagt er.

Seit Monaten laufen nun bereits die Vorbereitungen. "Wir haben uns sogar ein eigenes Ausstellungssystem ausgedacht", so Hagenkötter. Jeweils 2,20 Meter große Würfel lassen sich in unterschiedlichster Weise horizontal und vertikal teilen. Die so gebildeten Halbwürfel bilden die Exponatsfläche, die individuell gestaltet werden kann. Zusammengefügte Würfel sind sogar begehbar. "CultureCubes" heißt diese Lütauer Entwicklung. "Wir wollen auf einem Tieflader einen unserer großen Fassbierwagen mit auf die Reise nehmen und einen großen Lastwagen mit zwei Wechselkoffern voller Exponate auf den Weg schicken", sagt Hagenkötter. Der Fundus des Zugpferdemuseums der Familie gilt beinahe als unerschöpflich, so dass die Ausstellung in Lütau nicht unter der zusätzlichen Wanderausstellung leiden muss. Hagenkötter: "Seit zehn Jahren betreiben wir das Museum, seit 20 Jahren tragen wir die Geschichte der Zugpferde zusammen." Die Hagenkötters erinnern in ihrem Museum an die Zeit, als die heute üblichen PS-Angaben bei Autos tatsächlich noch auf Pferdestärken basierten. "In Chemnitz etwa gab es eine Fabrik für Dampflokomotiven, die aber ausgerechnet am anderen Ende der Stadt lag als der Gleisanschluss. Die Loks wurden damals mit 32-Spännern von der Fabrik zum Gleis gezogen", weiß Hagenkötter. In Paris wurden 15 000 Pferde eingesetzt, um Omnibusse zu ziehen.

Im Rahmen der Wanderausstellung sollen etwa zwei Drittel der Exponate die allgemeine Situation darstellen. Das dritte Drittel soll jeweils regional gestaltet werden und damit einen lokalen Bezug bieten.

Das Lütauer Zugpferdemuseum hat sich vor einiger Zeit dem weltweit tätigen Verband der Verkehrsmuseen (IHTM) angeschlossen und dort viel Zuspruch für seine Arbeit bekommen. Daraus war dann die Idee der Europatournee entstanden. "Die Hoch-Zeit der Pferde in der Industrie war zu der Zeit, als die Industrialisierung voll in Gang kam, so etwa von 1830 bis 1850", sagt Hagenkötter. "Damals wurde zwar dann mit Eisenbahnen Material transportiert, aber nur über die langen Strecken. Der Spediteur vor Ort musste Pferdefuhrwerke einsetzen, um die Waren über Land zu verteilen", sagt Hagenkötter. Aber selbst die Bauteile für den unvergessenen Luxusliner "Titanic" mussten Pferde bewegen und der Querschnitt des ersten Hamburger Elbtunnels wurde von der Form eines Pferdefuhrwerks bestimmt.

Das Zugpferdemuseum an der Alten Salzstraße 29 (Bundesstraße 209) in Lütau ist im September immer sonntags von 10 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon (0 41 53) 5 53 43 geöffnet.