Ausbildungsplätze

Personalchefs klagen über Qualität der Bewerbungen

Lauenburg (du). "Bei uns sind Bewerbungen eingegangen, die waren einfach unterirdisch", bedauert Andrea Rickmann von der Firma Mibro-Bedachung aus Schnakenbek. Zwar war ein Ausbildungsplatz für den Dachdeckerberuf zu vergeben, aber die Bewerber seien mit eben mal 14 Jahren und keinem Schulabschluss einfach noch zu unreif für eine ernsthafte Berufsausbildung, so Rickmann.

"Unsere Azubis sind seit Jahren die Innungsbesten bei der praktischen und theoretischen Prüfung, da muss als Grundvoraussetzung auch das Schulabgangszeugnis stimmen." Mibro wird aufgrund der schlechten Erfahrungen nur noch im Drei-Jahres-Rhythmus ausbilden, will aber flexibel bleiben, falls ein Kandidat vor der Tür steht, bei dem Bewerbung, Zeugnis und Reife stimmen.

Bei Smurfit-Kappa wurden drei Ausbildungsplätze vergeben, für die es weit über 100 Bewerber gab. "Wir haben mit der Albinus-Gemeinschaftsschule einen Kooperationsvertrag, der den Jugendlichen die Möglichkeit einräumt, bei uns ein Praktikum zu machen", begründet Personalsachbearbeiter Tim Klammrot den großen Bewerberandrang. Er musste kräftig sieben. Viele fielen von vornherein unter den Tisch, weil die Noten weit unter dem Standard lagen. Er plädiert für weitere Gespräche zwischen Ausbildungsbetrieben und Schulen. "Den Jugendlichen könnten so klare Strukturen zum Erreichen ihres Berufswunschs an die Hand gegeben werden", schlägt er vor. In der Lauenburger Stadtverwaltung war in diesem Jahr nur ein Ausbildungsplatz zu besetzen. "Wir legen Wert auf eine qualifizierte Ausbildung, die wir aufgrund der gestrafften Personaldecke nur noch einem Azubi bieten können", bedauert Bürgermeister Andreas Thiede.

Der Andrang war groß. 43 Bewerber gab es, von denen sechs in die engere Auswahl gekommen sind. Das Rennen machte Aysegül Sevin (17), die mit ihrem bereits in einem Praktikum gezeigten Engagement, ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrem persönlichen Auftreten überzeugte. "Die Qualität beim Aufbau der Bewerbungen hat schon bei einigen nachgelassen", sagt aber auch Verwaltungsausbildungsleiter Jens Anderson. Wichtigste Kriterien für Eignung und Befähigung seien gute Noten in Deutsch und Mathematik sowie die Präsentation. "Dazu gehört auch der erste Eindruck, den wir mit der schriftlichen Bewerbung bekommen", rät Anderson künftigen Bewerbern.